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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

86. Freitagsbrief (7.03.2008).

Der Autor dieses Briefes erhielt keine Spende von uns, denn wir begünstigen in der Regel die Ältesten zuerst. Herr Lesnjak ist Jahrgang 1926 und zählt als 82jähriger zu den Jüngsten.

Russland
Gebiet Wolgograd
Bezirk Gorodischtschenskij
Wasilij Kusmitsch Lesnjak.

Guten Tag,

mit großem Respekt schreibt Ihnen Wasilij Kusmitsch Lesnjak, 1926 im Bezirk Staropoltaw, Gebiet Wolgograd, geboren. Ich habe Ihren Brief bekommen und bin sehr dankbar dafür. Es ist sehr angenehm zu wissen, dass es noch Leute gibt, die sich an uns, die den Krieg und die Kriegsgefangenschaft überlebt haben, erinnern. In Ihrem Brief haben Sie mich gebeten, über mich, meine Familie und auch über meine Erinnerung an die Kriegszeit zu schreiben. Über mich kann ich sagen, dass ich in diesem Jahr 80 werde und dass ich in dem Dorf Orlowka, Gebiet Wolgograd mit meiner Frau lebe. Es war unser Schicksal, dass wir keine Kinder haben und die schwere Last des Lebens zu zweit tragen. An die Kriegsjahre erinnere ich mich sehr oft, obwohl es schon lange her ist. Ich geriet als Kind, 18 Jahre alt, in den Krieg. Am 20. August 1944 bin ich in Kriegsgefangenschaft geraten. Das war in der Nähe der Stadt Königsberg (jetzt Kaliningrad). Ich hatte Glück, dass ich in ein Arbeitslager kam, hier wurden wir ein bisschen besser ernährt. Bis zum Frost haben wir die Straßen repariert, im Winter Holz im Wald gesägt oder wir machten andere schwere Arbeit. Wir arbeiteten ohne Feiertage bei jedem Wetter und ohne warme Kleidung. Wir haben in ungeheizten Baracken gewohnt, so dass der Hunger und die Kälte vielen das Leben geraubt hat. Ich bin zum Glück bis am 9. Mai 1945 am Leben geblieben. Noch eine schwere Zeit hatte ich nach dem Krieg erlebt, als ich aus der Gefangenschaft nach Hause zurückkehrte. Man bezeichnete uns Kriegsgefangene fast als Verräter. Das Leben bringt aber alles in Ordnung, und es ist mir alles gelungen. Ich habe gearbeitet und ich habe Respekt verdient. Früher versuchte man die Diskussion über die Zeit in der Kriegsgefangenschaft zu vermeiden. Jetzt hat es sich geändert und ich versuchte, in Archiven und bei verschiedenen Organisationen Beweise zu finden, dass ich in Kriegsgefangenschaft war. Eine Bescheinigung dafür, dass ich in einem Arbeitslager war, konnte ich nicht finden. Es sind mir nur die Erinnerungen geblieben. Sie fragen, ob ich eine Kompensation bekam. Ich habe aber nichts bekommen und um ehrlich zu sein, glaube ich nicht, dass ich so was irgendwann bekommen werde. Während ich Ihnen diesen Brief schreibe, erinnere ich mich an ein Ereignis, als ich, Kriegsgefangener, schmutzig, müde von der Arbeit, ein Stückchen Brot von einem kleinen deutschen Junge bekommen habe, der zufällig in der Nähe war.

Ich (…) danke Ihnen, dass Sie sich an uns erinnern.

Lesnjak W.K.

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Unsere Geldtranchen werden nacheinander in ausgewählte Regionen für jeweils 100–200 Personen geschickt. Im Gebiet und in der Stadt Wolgograd erhielten 120 ehemalige Kriegsgefangene eine Spende von jeweils 300 Euro. Rund 80 erhielten dort nichts. Leider gelingt noch keine vollständige Begünstigung durch die Spendenkampagne.

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