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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

84. Freitagsbrief (22.02.2008).

Zu den NS-Propagandabildern vom „jüdisch-bolschewistischen Untermenschen“ zählte der plakative und aggressive Begriff vom „Flintenweib“. Bewaffnete Rotarmistinnen wurden oft unmittelbar nach der Gefangennahme erschossen. Wir haben bisher 4700 ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen Spenden übermittelt. Darunter gibt es nur eine Frau, die nicht zum Sanitätsdienst gehörte, sondern bei der kämpfenden Truppe gefangen genommen wurde. Hier ihr Lebensbericht.

Belarus
Minsk
Nina Eduardowna Leschtschenko.

Sehr geehrte Dr. Hilde Schramm und Eberhard Radczuweit,

ich danke Ihnen und Ihren Landsleuten herzlich für die von Ihnen und Ihren Leuten für mich gesammelte Hilfe, in Höhe von 300 Euro. Das war für mich ein Schock und Freude! Für diese mir erwiesene Aufmerksamkeit bedanke ich mich nochmals bei Ihnen. Ich war damals, 1940, 18 Jahre alt. Ich beendete die 10-klassige sowjetische Schule, man gab mir zum Herbst solche Aufgaben, die ich, weil ich in höherer Mathematik sehr schwach war, nicht löste, kurz ich legte das staatliche Examen nicht ab und ging deshalb im Herbst nicht zur Prüfung, sondern begann einen Lehrgang für Telegrafie zu besuchen. Ich lernte ein ganzes Jahr. Am 22. Juni 1941 begann der Krieg und das Donnern der deutschen Artillerie war bei uns nach drei Tagen zu hören, (ich wohnte in einem Gebietsstädtchen, Sebesh an der Grenze zu Lettland). Da ich am Morseapparat arbeitete, und dies ein militärisches Fachgebiet ist, übergab uns das Militärkommissariat die Einberufung an die Front und schickte uns alle, die Mitarbeiter des Telegrafenamtes, in die Stadt Poltawa (Ukraine) zu einem Sammelpunkt. In Poltawa wurden wir in riesengroße Uniformmäntel, Kunstlederstiefel und Feldmützen eingekleidet und zwei Wochen lang mit uns exerziert, dann kam der Tag, an dem man uns in Güterwagen an die verschiedenen Armeen schickte. Ich kam in die 6. Armee der Südwestfront in den Stab, dem das 87. Nachrichtenregiment unterstand. Wir haben in zwei Schichten zahlenverschlüsselte Nachrichten an die Divisionen gesendet und empfangen. 1942 haben die deutschen Truppen drei unserer Armeen bei Charkow eingekesselt. Ich weiß nicht mehr wie viel Kilometer von Charkow entfernt und kann mich auch nicht an den Namen des Dorfes erinnern. Neben dem Dorf war ein riesengroßer, langer und tiefer Graben, in dem unsere Armee lag. Man konnte sich nicht mehr verteidigen, es gab kaum noch Munition, unsere furchtgebietenden „Katjuschas“ standen ohne Geschosse, es gab keine Verpflegung, keine Munition. Es war Sommer, das Morgengrauen begann um 4 Uhr, und die deutschen Bomber flogen in Geschwadern zu 50 Flugzeugen und bombardierten diesen Graben bis zur Dunkelheit, es gab Volltreffer, es gab viele deutsche Kundschafter, sie waren überall und schossen Raketen in die Luft, nach diesen Raketen erschienen sofort deutsche Jagdflugzeuge und schossen mit Maschinengewehren in den Graben, so kam der letzte Tag, als unsere Soldaten alle aus dem Graben antraten, einige hatten noch irgendwelche Munition, wer keine hatte, nahm das Bajonett, um im Bajonettkampf den Durchbruch aus dem Kessel zu erzwingen. Es war ein trüber Tag. Es war ein Gemetzel, Sie können sich nicht vorstellen was vor sich ging, das war wahrhaftig der Tod „mit der Sense“. Von oben in geringer Höhe die Jagdflugzeuge, von den Seiten Maschinengewehr- und Maschinenpistolen- und Granatwerferfeuer. Unsere lebendige Kraft, d.h. die Soldaten fielen jede Minute wie die Fliegen, natürlich hatten die Mädchen, das weibliche Geschlecht, nur Pistolen und wir liefen in verschiedene Richtungen auseinander, und überall her flogen wie Hagelschauer die Kugeln, so wurde ich an diesem Tag am Kniegelenk verwundet und fünf Minuten später ein zweites Mal ins Gesäß. Ich fiel in irgendeinen rostigen Sumpf mit rostigem Wasser und verlor das Bewusstsein. Im Sumpf liegend hörte ich dann über mir deutsche Laute, etwas später hat man mich aufgelesen und in einer Zeltplane in irgendeine Scheune gebracht, wo eine Kuh stand. Ich kam zu mir und sah in dieser Scheune noch weitere 15 verwundete Männer, und ich war das einzige Mädchen. Darunter war ein verwundeter Arzt von uns, der mich verbinden konnte, in dem er sein Unterhemd in Streifen zerriss. Ich weiß jetzt nicht mehr, wer der Deutsche war, Kommandant oder etwas anderes, aber er war ein Mensch, Großgeschrieben, neben der Scheune war eine ukrainische Hütte, in der zwei Alte wohnten, d.h. Mann und Frau, ihre beiden Söhne waren auch an der Front, sie baten diesen Offizier, dass er die Erlaubnis geben möchte, mich in diese Hütte zu ihnen zu tragen, weil ich ganz allein unter den Männern war, und er gestattete das. Ich danke ihm, möge Gott ihm Gesundheit geben, wenn er noch lebt. In der Hütte hat mich unser Mediziner verbunden. Es vergingen zwei Wochen und wir wurden in deutsche Güterwagen verladen und in ein Zwischenlager für Kriegsgefangene bei Shitomir „Bagunja“ gebracht, so landeten wir dort. Dort waren nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch Juden, jeden Tag waren auf dem Lagerhof Schüsse zu hören, es wurden Juden erschossen, die sich vorher nackt ausziehen mussten, die Kleidung wurde in einem Lagerraum gesammelt und die Juden erschossen. Später, die Wunden waren noch nicht verheilt, jagte man uns aufs Feld zum Pflügen, mehrere Menschen wurden in einen Pflug mit zwei großen Rädern als Zugpferde eingespannt und pflügten – hinter dem Lager war eine Nebenwirtschaft für die deutsche Wachmannschaft des Lagers, dort wurden Kartoffeln und Kohl angebaut, uns ernährte man aus einem angestrichenen eisernen 200-Literfass – mit salziger Wassersuppe ohne weitere Bestandteile – braunes Wasser und einige wenige Stücke Seekohl und 100 gr. Brotersatz – Kleie vermischt mit Birkenholzspänen – einmal am Tag. Man war schrecklich hungrig, wahrscheinlich hätte ich von solchem Brot mehrere Laibe gegessen! Unser Glück war, dass wir, wenn man uns aufs Feld jagte, Kartoffeln stehlen und roh essen und Kohlsetzlinge essen konnten. Eines Tages gab es Gerüchte, die von den Deutschen kamen, dass man uns bald nach Deutschland in das Lager Buchenwald bringen würde. So beschloss ich, etwas zu riskieren, da es egal ist wo man stirbt, da oder hier. Es lief die Ausbildung, ein deutscher Offizier lief herum und schrieb von jedem Gefangenen die letzten Geheimnisse auf und ihm sagte ich, dass mein Vater ein Lette sei. Ich konnte kein Wort lettisch, aber zu meinem Glück gab es keinen Lettischdolmetscher, er war an diesem Tag irgendwohin gefahren. Plötzlich rief man mich in die Lagerkommandantur, übergab mir einen Ausweis-Passierschein und entlässt mich in alle vier Himmelsrichtungen. Führt mich zum Lagerraum und gab mir jüdische Kleider. Ich lief los 60 km zu Fuß bis Kiew. Ich ging in Kiew auf den Bahnhof und bettelte bei den Leuten um etwas zu essen. Von Kiew nach Korsun und Polotzk fuhr ein Zug mit leeren Güterwagen. Ich setzte mich hinein und kam so bis Polotsk. In 100 km Entfernung von Polotsk lebte meine Mutter. Polotzk war okkupiert, ich verließ den Güterzug und ging durch den Wald zu Fuß. Aber im Gebiet Rassonsk haben mich Partisanen festgehalten. Das ganze Gebiet Witebsk war damals von Partisanen besetzt. Es gab nur vereinzelt kleine deutsche Garnisonen. Den deutschen Passierschein habe ich nicht gezeigt, vorher versteckt, aber trotzdem glaubte man mir nicht, dachte, dass mich die Deutschen geschickt hätten. So verging ein Monat und der Winter begann, mich schickte man in meine Heimat nach Sebesh, das ist 100 km von Polotzk, um auszukundschaften, wie viel Waffen und wie groß die Anzahl der Garnison ist. Mich verfolgten Verbindungsleute, ob ich nicht zu den Deutschen fliehe. Man fuhr auf einem Schlitten bis ans Ufer eines Sees, der zugefroren war. Ich lief 2,5 km über diesen See. Man hatte mich ganz in Schwarz gekleidet, einen langen schwarzen Mantel, ein warmes Tuch, kurz in ein altes Weib verwandelt, gab mir 10 Eier und ein Stück Speck, wenn mich der deutsche Posten trifft, so sollte ich ihm diese Fracht übergeben. (Üblich war, dass die deutschen Soldaten, wenn sie irgendwo als Wachposten aufpassen mussten forderten, „Mamka Eier – Speck“. So habe ich es auch getan neben einem Schloss auf dem Berg, an dem ich vorbei gehen musste, um in meine Strasse zu gelangen. Der Posten hielt mich an und ich übergab ihm das Netz und er fragte mich nicht wohin ich ging und warum. Ich kam wohlbehalten in meine Strasse und befand mich neben meinem Haus, das ich nicht sehen konnte, da es ein Trümmerhaufen mit verkohlten Balken durch die Bombardierung war. Aber ich musste in Erfahrung bringen, wo meine Mutter lebt.

Ich ging zu der ehemaligen Nachbarin, deren alte Mutter, die mich gut kannte und an der Stimme erkennen konnte. Sie sagte mir, wo meine Mutter lebt. Sie wohnte in einem jüdischen Haus, wo zwei alte Leute wohnten, die man erschossen hatte. So traf ich zum ersten Mal meine Mutter, ich kam als es schon dunkel war. Als ich in die Hütte kam, erkannte mich meine Mutter und fiel mir vor die Füße, – es gab viele Tränen und ich erzählte ihr Einzelheiten meines Kommens. Meine Mutter fragte mich, wer mir das gesagt habe. Als sie erfuhr, dass es die Nachbarin war, sagte sie sofort, dass ich nicht übernachten kann, da diese Frau mit einem Deutschen zusammen lebt. Meine Mutter arbeitete in der Garnison als Wäscherin und hatte schon Kontakt zu den belorussischen Partisanen. Sie gab mir alle Angaben und begleitete mich nachts über einen anderen See – er hieß der Taube See und so ging ich weiter wiederum nachts über den See nur auf der anderen Seite, bis zum Ende, dort begann schon die Partisanenzone und man fuhr mich mit einer anderen Kalesche zu unserem Standort. So kam ich morgens zum Stab der Brigade, dort war Petr Mironowitsch Mascherow, der Kommissar. Erst dann erhielt ich das Vertrauen der Partisanen. Man nahm mich in die Partisanengruppe Podriwanko – Aufklärung und Hinterhalt – auf. Zwei Wochen, nachdem ich meine Mutter besucht hatte, meldete man über die Nachrichtenkette der Partisanenabteilungen, dass eine alte Frau, auf einem Schlitten mit einer Nähmaschine, auf dem Weg zu unserer Abteilung ist. (Sie hatte für mich genäht). Jedoch drohte den Partisanen gerade eine Blockade durch die Deutschen und meine Mutter würde einen solchen Marsch nicht aushalten. Unsere Rokossowski-Brigade sollte in die litauischen Wälder gehen. Ich sprach mit dem Kommandeur der Gruppe – P. I. Olschanikow, der mir riet, dass meine Mutter zu seiner Mutter, die ebenfalls 1 km vom Gebietszentrum Rossony entfernt, in einem Dorf lebte, ziehen sollte. So habe ich es auch gemacht, fuhr sie dorthin und so waren sie zusammen. Aber auch dort neben diesem Dorf lag eine Komsomolzen-Partisanenbrigade, für die sie dann genäht hat. Als dann im Dorf eine Flecktyphus-Epidemie begann (die Deutschen fürchteten sich sehr vor Typhus und haben alle Erkrankten erschossen, dafür gibt es Augenzeugen), und nun lag sie im Massengrab in diesem Dorf – das war mein letztes Treffen mit meiner Mutter bei den Partisanen. Ich war das einzige Kind meiner Eltern.

1944 kam es im Witebsker Gebiet zum ersten Zusammentreffen mit der Feldarmee der belorussischen Front (Operation Bagration). Das Treffen war so glücklich, es flogen die Kopfbedeckungen und die Soldaten und Partisanen schossen aus allen möglichen Waffen in die Luft. Die Partisanenfrauen wurden zurückgelassen, um das Gebiet wieder aufzubauen, die Männer wurden in die Feldarmee aufgenommen. Mir hat man sofort vorgeschlagen, dass ich in das Juristische Institut eintreten soll, das sich in Polotsk befand. Ich sagte jedoch ab, weil das niemandem hilft, und habe erst einen Einjahreslehrgang für Notare besucht. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich als Sanitäterin im Krankenhaus in Woropajewo, Gebiet Witebsk. Man brachte uns einen jungen, etwa 25-jährigen Deutschen mit der Diagnose Flecktyphus, der auf die Seite der Sowjetarmee übergelaufen war. Er war hübsch, groß gewachsen – Ich behandelte ihn wie meinen eigenen Bruder – obwohl ich ja keinen hatte. Ich habe ihn gesund gepflegt, habe ihm das Leben gerettet und ihm Obst und Nahrungsmittel gebracht, im Krankenhaus war die Verpflegung sehr schlecht, habe ihm von meinem Gehalt auf dem Markt Medikamente gekauft und mein miserables Gehalt nicht geschont, er wurde gesund. Er hat sich sehr bei mir bedankt, als man ihn aus dem Krankenhaus entließ. Die beiden Ärzte und die beiden Krankenschwestern haben gesehen und gewusst, wie ich ihn gepflegt habe. Nach seiner Gesundung wurde seine Einheit nach Deutschland in seine Heimat geschickt. Aus Deutschland hat er mir zwei Briefe geschrieben, die mir eine der Krankenschwestern, eine Jüdin, übersetzt hat. Ich fürchtete mich zu antworten, Stalin war noch da und es gab die Zensur, ich musste trotzdem dafür büßen. Als ich den Notarlehrgang beendete, wurde ich in der Stadt Glubokoe in der Notariatskanzlei der W.I.O. als zeitweilige Arbeitsleiterin angestellt. 1945 rief man mich zum KGB und klagte mich des Vaterlandsverrats an, weil ich in deutscher Gefangenschaft gewesen war und verurteilte mich zu fünf Jahren Haft und fünf Jahren Entzug der Bürgerrechte. So war ich vom Anfang bis zum Ende in Gefangenenlagern und wurde im Jahr 1951 freigelassen. Nach diesem Entzug der Bürgerrechte konnte ich nicht wählen gehen, keine gehobene Stellung bekleiden usw.

Nachdem ich entlassen worden war, habe ich geheiratet, ihn lernte ich im Lager kennen, er war Mediziner – Feldscher, während des Krieges war er in der Einheit des Hauptmanns I. Saburow – gequetscht lag er unter einem deutschen Panzer, verschüttet von Sand. So beschlossen wir unsere Leben zu vereinigen. Er verbüßte auch drei Jahre Haft wegen Pflichtvergessenheit im Dienst. So begannen wir nackt, barfüßig, hungrig und in der Kälte unser gemeinsames Leben. Er ist Weißrusse, ich Russin. So wie ich ist er Einzelkind. Seine Eltern waren gegen mich, weil ich im Gefängnis war, obwohl auch ihr Sohn dort war, aber er war wegen Pflichtvergessenheit im Dienst, ich jedoch wegen Vaterlandsverrat, weil ich in deutscher Gefangenschaft war. Nochmals zu dem Deutschen, der mir Briefe mit Liebeserklärungen schrieb, aber es war noch Stalin-Zeit, für die ich mein Blut vergossen habe und keine Jugend hatte, von Kindesbeinen bis ins hohe Alter. Mein Mann starb 1980 und ich blieb allein mit zwei Kindern, einem Sohn Jahrgang 1952 und einer Tochter Jahrgang 1958, beide haben Familien, leben in Minsk, ich habe 3 Enkel zwei Mädchen, einen Knaben. Jetzt lebe ich in Minsk – der Grund „Einsamkeit“. Ich wohnte im Gebiet Brest 12 km von Pinsk in den Sümpfen der Polessje, habe auf dem Gebiet der Kultur gearbeitet, d.h. ich habe im Fernstudium die Lehranstalt für Kultur in Grodno, in der Fachrichtung Theaterregie, absolviert. Ich habe als Leiterin eines Dorfkulturhauses auf dem Dorf gearbeitet, mein Mann war Leiter der Unterarzt-Entbindungsstation. Er verschied und ich blieb allein. Auf Einladung meiner Kinder bin ich im Jahr 2000 nach Minsk gezogen, was ich jetzt sehr bereue, ich brauche Ruhe und Stille, die es in der Stadt nicht gibt, deshalb habe ich mir in 60 km von Minsk im Dorf Saborje ein kleines Häuschen gekauft und wohne nun auf dem Dorfe mitten im Kiefernwald. Landschaftlich sehr schön, es gibt viele Pilze und Beeren, auch im Winter wohne ich hier, heize meinen Ofen und es wird warm. Es gibt einen kleinen Garten, in dem ich Gemüse anbaue. Schlecht ist nur, dass die Bushaltestelle 4 km weit von meinem Wohnort entfernt ist. Andere Transportmöglichkeiten gibt es nicht. Ein Auto habe ich nicht bekommen, Autos bekommen Invaliden, die Arm- oder Bein-Prothesen haben und die, die im Militärkrankenhaus lagen. Ich dagegen war in deutscher Gefangenschaft. Ein Autoladen kommt zweimal die Woche ins Dorf, bringt Lebensmittel und Brot, so dass man nicht verhungern muss, bringt auch Gas. In diesem Dörfchen leben 12 alte Rentner, mehr nicht. Es gibt viele verlassene Häuser – die Inhaber wohnen in Minsk, kommen im Sommer und bestellen ihre Gärten. Im Winter ist es sehr langweilig. Ich wohne am Dorfanfang allein, die anderen wohnen in der Mitte. Im Winter laufen hier Füchse und Wildschweine herum. In 50 m Entfernung vom Häuschen ist eine Quelle, hier gibt es sehr viele Quellen. Ich erhalte meine Rente, die zur Ernährung reicht, mehr brauche ich überhaupt nicht. Was übrig bleibt spare ich für die Reparatur meines Häuschens. So sieht mein Leben aus. Gott hat mich noch nicht in die Ewigkeit geholt. So verläuft mein Leben in völliger Einsamkeit bis zum Ende meiner Tage.

(…)

Ich bedanke mich bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit an meine Adresse. Ich habe geschrieben und geweint über das, was ich miterlebt habe. Mögen alle Menschen auf der Welt Ruhe und Stille haben. Ich lade Sie nochmals ein bei mir als Touristen zu Gast zu sein. Lassen Sie uns Freundschaft halten! Auch während des Krieges gab es verschiedene Deutsche, es gab faschistische Ungeheuer, die von Hitler erzogen worden waren und es gab Menschen, die man mit Großbuchstaben schreibt!

Leschtschenko Nina Eduardowna.

PS. Verzeihen Sie die schlechte Schrift, die Hände zittern, Alter ist kein Vergnügen. Auf Wiedersehen!

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