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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

69. Freitagsbrief (2.11.2007).

Georgij T. Tottschenko
Artemowsk
Ukraine.

Sehr geehrte Dr. Hilde Schramm und Eberhard Radczuweit.

(…) Ich befand mich von Mai 1942 bis April 1945 im Lager Nr. XIII D in Nürnberg, ich musste in der Fabrik „MAN“ einem Deutschen namens Hans helfen, der an der Schleifbank arbeitete. Er verhielt sich mir gegenüber respektvoll. Aufmerksam betrachtete er das von mir geschliffene Werkstück, bemühte sich, meine Leiden zu erleichtern und einmal in der Woche jeden Sonnabend gab er mir ein Paket Brot, was mein Überleben sicherstellte. Beim Verlassen des besetzten Gebietes der Ukraine zerstörte die Wehrmacht Städte, verbrannte Dörfer und vernichtete die friedliche Bevölkerung. Eine Blutspur hinterließ sie auch in meiner Stadt Artemowsk: Sie zerstörte einen bedeutenden Teil des Wohnbestandes, darunter auch mein Haus, vernichtete die ganze Industrie und mehr als dreitausend friedliche Bewohner mit ihren Kindern wurden lebend eingemauert in die Stollen des Schisowo (?) Bergwerks, wo sie eines qualvollen Todes starben.

Nachdem ich aus dem Krieg in ein friedliches Leben zurückgekehrt war, musste ich angesichts einer zerstörten Industrie wieder soziale Schwierigkeiten durchmachen, deren Überwindung vom Wiederaufbau der Industrie und Landwirtschaft abhing, was Jahrzehnte erforderte. So verging mein Leben unter Schwierigkeiten bis zu meiner Pensionierung. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Erreichen der Unabhängigkeit der Ukraine im Jahr 1990 wurde das Leben einfacher, und man möchte gern noch ein wenig weiterleben, aber das vorgerückte Alter (ich bin 93 Jahre alt) und der Gesundheitszustand zeigen die Begrenztheit.

Ihnen vielen Dank für die gute Tat. Ich wünsche Ihnen, den Mitgliedern Ihrer Gesellschaft und allen Teilnehmern der Aktion Gesundheit, Glück und Wohlergehen.

Hochachtungsvoll

Tottschenko Georgij T.

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