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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

56. Freitagsbrief (3.08.2007).

Guten Tag, sehr geehrte Dr. Hilde Schramm und Eberhard Radczuweit!

Mein Name ist Trochimez Sergej Iwanowitsch. Ich danke Ihnen für die humanitäre finanzielle Hilfe, die Sie mir übermittelt haben. Es ist sehr angenehm zu erfahren, dass es Menschen gibt, denen das Schicksal der ehemaligen Kriegsgefangenen nicht gleichgültig ist. In erster Linie möchte ich Ihnen einiges aus meiner Vergangenheit mitteilen. Am 2. Juni 1941 wurde ich einberufen und in die Stadt Sumy als Funker geschickt. Während der Kampfhandlungen wurde ich dreimal verschüttet. Aus dem Lazarett wurde ich nach Charkow geschickt, wo sie mich am 24. Mai 1942 gefangennahmen. Fast drei Jahre war ich in KZs, leistete Schwerarbeit in Nürnberg, Stuttgart, Mannheim, Karlsruhe, Kirchheim. Die ganze Zeit war ich hungrig und erschöpft. Nach der Befreiung aus der Gefangenschaft am 28. April 1945 schickten sie mich ins Gefängnis bei Irkutsk (Russland). Ich saß drei Monate (wurde die ganze Zeit verhört). Dann kommandierten sie mich zur Bewachung von Gefangenen. In jener Zeit schrieb ich an Kalinin im ZK. Nach Hause kehrte ich erst 1949 zurück, aus Familiengründen. Beim Dorfsowjet bekam ich Arbeit als Meister. Niemand außer dem Kriegskommissariat wusste von meiner Vergangenheit. Vier Jahre war ich auf dieser Stelle, dann arbeitete ich als Aufrichter im Wald, zuletzt bis zur Pensionierung als Holzfäller. Ich habe zwei Söhne und eine Tochter, die in verschiedenen Städten wohnen. Vor kurzem, am 3. März, ist meine Frau gestorben. Mit ihr habe ich all die Jahre zusammen gelebt. Jetzt bin ich allein und habe seit zehn Jahren Lungentuberkulose. Für einen alten, kranken Mann ist es sehr schwer, allein zu leben, besonders in der Ukraine.

P.S. Wenn der Tag des Sieges gefeiert wurde, luden sie alle Kämpfer ein, außer mir. Das war sehr kränkend, denn sie sahen mich als Vaterlandsverräter an. Erst vor 15 Jahren wurde ich als Kriegsveteran anerkannt und ausgezeichnet. Ich hoffe sehr, dass es nie mehr Krieg gibt, dass künftige Generationen nicht erleben müssen, was wir Kriegsveteranen, die Kriegskinder, ihre Familien und ihre Mütter erlebt haben.

Mit Hochachtung und den allerbesten Wünschen

Trochimez Sergej Iwanowitsch

Juli 2007

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