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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

51. Freitagsbrief (29.06.2007).

Russland 671630
Burjatien
Bezirk Kurumkanskij
Aleksej Afanas´jewitsch Raspopow.

Sehr geehrte Frau Hilde Schramm und Herr Radczuweit,

Ich habe Ihren Brief vom 3. April 2007 und humanitäre Hilfe von 300 Euro erhalten. Ich bedanke mich für Ihr Mitgefühl wegen der unglücklichen Situation vor 66 Jahren recht herzlich.

Sie wissen aber nicht alles. Die ehemaligen Kriegsgefangenen erfuhren Erniedrigungen und Demütigungen nicht nur in Deutschland, sondern auch nach dem Krieg in der Heimat. Das Ganze kann man mit Geld nicht messen, weder mit Euro noch mit Rubel. Die Teilnehmer am Krieg gegen den deutschen Faschismus haben zurecht Ruhm, Ehre, Respekt und Auszeichnungen verdient. Wir gerieten jedoch wider Willen in deutsche Kriegsgefangenschaft. Selbst das Leben war zu wenig, um uns zu „rehabilitieren“. Die Sowjetunion hat im Krieg gegen den deutschen Faschismus über 27 Millionen Soldaten und Zivilisten verloren. Die Menschen starben unschuldig. Diese Menschen haben keine Entschädigung für verlorene Leben von der Seite des Angreifers erhalten.

Ich bin im 90. Lebensjahr. Heute habe ich kein Interesse mehr daran, irgendeine Kompensation in welcher Höhe auch immer zu erhalten. Die Gerechtigkeit fordert aber, dass die Sklavenarbeit in Kriegsgefangenschaft wenigstens im Mindestmaße vom Angreiferstaat „entlohnt“ werden sollte. Ich habe meine Gesundheit verloren. Im Land ist alles teuer. Ich lebe weit von der Zivilisation entfernt. Ich habe fast das komplette Augenlicht verloren. Ich höre auch sehr schlecht. Ich kann mich nur mühsam bewegen und habe Herzschmerzen. Ich kann zwecks Behandlung allein nicht wegfahren. Zudem habe ich dafür kein Geld.

1939 wurde ich in die Sowjetarmee einberufen. 1946 wurde ich entlassen. Etwa vier Jahre verbrachte ich in Kriegsgefangenschaft. Dort wurde ich gedemütigt und erniedrigt. Oft schlug man mich. Ich war typhuskrank. Die ganze Kriegsgefangenschaf über war ich hungrig und in Lumpen. Wenn ich auf vergangene Jahre zurückblicke, muss ich feststellen, dass der deutsche Angriff mein Leben zerstört hat. Das gleiche Schicksal hatten viele Landsleute.

Ich bedanke mich noch einmal für Ihr Mitleid. Das ist aber im Verhältnis zum Erlebten sehr wenig. Die moralischen Schäden sowie die Sklavenarbeit müssen mit den höchsten Sätzen entschädigt werden.

Hochachtungsvoll

Aleksej Afanas´jewitsch Raspopow.

(Unterschrift).

12. Juni 2007.

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