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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

494. Freitagsbrief (vom April 2005).

Wasil Kindratowitsch Bogotschuk
Ukraine
Gebiet Winniza.

Ich, Bogotschuk Wasil Kindratowitsch, möchte mich hiermit für die finanzielle Hilfe von 300 Euro bedanken. Großer Respekt und tiefe Dankbarkeit gebührt den deutschen Soldaten [*] und ihren Angehörige, aber auch all den Anderen, die an dieser Unterstützung beteiligt gewesen sind.

Nun kurz über mich. In Gefangenschaft geriet ich 1941 in Kobrin, Weißrussland, und erfuhr dort reichlich Leid. Schwere Erdarbeiten, Demütigungen und Hunger. Übernachtungen unterm freien Himmel und unerträgliche Kälte blieben bis heute Teil meiner Erinnerungen.

Ich wurde mit vielen anderen Kriegsgefangenen bei dem Bau eines Militärflughafens eingesetzt, und zwar an den Stellen, die unmenschliche Kräfte erforderten. Buddeln, Schaufeln, Steine Tragen stellten die tägliche Arbeit dar. Wie durch ein Wunder habe ich es überlebt. Mein Zahn tat mir eines Tages richtig weh, also brachte man mich zum Arzt. Er hat mir den kranken Zahn gezogen. Danach erschien mein Bewacher mit dem Dolmetscher, der gleich erklärte, dass ich umgehend in eine andere Gegend überführt werde. Ca. 2 Stunden waren wir mit dem bewachenden Soldaten unterwegs und kamen endlich im Dorf Gersthofen an. Dort führte er mich zum örtlichen Kloster ab, und erklärte, dass ich nun da bleiben und alles, was man mir sagt, auszuführen habe. Und so arbeitete ich das weitere Jahr in diesem Kloster und auf den umliegenden Feldern. Danach holte mich ein anderer „Arbeitgeber“ aus dem Kloster ab. Er beschäftigte sich mit der Kohlenlieferung an die Dorfbewohner. Meine Aufgabe bestand darin, die Kohlensäcke abzuladen und auf dem Hof, an dem wir anhielten,zur Lagerstelle zu bringen. Der Mann, bei dem ich diese Arbeit machte, war fordernd und ständig schlecht gelaunt. Das ganze Jahr, das ich bei ihm verbrachte, war durch harten Alltag gekennzeichnet. Schließlich folgte irgendwann Mal meine letzte Station der Kriegsgefangenschaft. Nämlich bei einem Veterinär, der eine Fuchsfarm besaß. Da bereitete ich das Futter vor, zerkleinerte Fleisch und erledigte übrige Arbeiten. Hier habe ich mich mit anderen Angehörigen des Bauernhofs anfreunden können und wurde von ihnen gut behandelt. Der Veterinär hatte zwei Söhne, die im Krieg umgekommen sind, und war ein guter Mensch, genauso wie seine Frau und der Offizier, der auf uns Kriegsgefangene aufpasste und täglich in dem Häuschen auf dem Hof ein- und aussperrte. Eines Morgens machte er die Tür auf und verkündete: „Der Krieg ist fertig“. Beendet war der Krieg.

Das Dorf Gersthofen befand sich 11 km von Augsburg entfernt, 53 km von München.

1945 bin ich von den amerikanischen Truppen befreit worden.

Geschrieben habe ich darüber, was wieder einfiel, halt ein klein wenig über alles.

Leben Sie wohl. Bleiben Sie gesund. Auf Wiedersehen.

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[*] Vor 10 Jahren meldeten sich nach Spendenaufrufen des Bürger-Engagements für vergessene NS-Opfer noch etliche Wehrmachts-Veteranen. Unsere Nachricht über deren Spenden freute die ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen ganz besonders. (Anmerkung der Freitagsbrief-Redaktion).

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