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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

492. Freitagsbrief (vom Januar 2015, aus dem Russischen von Jennie Seitz).

Michail Iwanowitsch Chrapow
Russland
Serpuchow.

Meine Glückwünsche zum Neujahr und zur Geburt Christi für Sie!

Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Glück und alles erdenklich Gute im Leben.

Im August und Dezember war ich im Moskauer Bezirkskrankenhaus. Im Moment geht es mir fast wieder gut.

Ich werde mein Leben in Gefangenschaft beschreiben, bei der Holzbeschaffung in Finnland: Wir Kriegsgefangenen wurden mit Rüben gefüttert und mussten als Norm zu dritt 6 m³ schaffen – zwei von uns sägten, und der dritte hackte die Asthölzer ab, wenn der Baum in der Mitte nicht faulig war, wurde er in sechs Meter lange Bretter gesägt, und wenn das Innere faulte, dann wurde es in Ein-Meter-Hölzer zersägt und gestapelt. Wenn man die Norm nicht erfüllte, dann bekam jeder 25 Stockhiebe auf den nackten Arsch und nichts zu fressen. In unserer Dreiermannschaft war einmal einer an Ruhr erkrankt, konnte nicht arbeiten, und deshalb schafften wir die Norm nicht. Der Wachmann verprügelte uns mit dem Gewehrkolben und versprach jedem von uns 25 Stockhiebe. Ich habe ihn angefleht, uns zu verschonen, und da hatte er Mitleid und schlug uns nicht. Wir gingen in die Baracke, aßen Rüben und legten uns schlafen, hungrig. Morgens aßen wir wieder Rüben und wurden in den Wald gebracht, zum Bäume sägen. Da waren meine Kräfte am Ende und am nächsten Tag erschien ich nicht zur Arbeit. Sie jagten uns alle nach draußen und befragten jeden einzelnen, warum wir nicht zur Arbeit gegangen sind. Ich sagte, ich hätte keine Kraft zum Arbeiten. Auf der anderen Seite stand ein Soldat aus meinem Trupp, er erkannte mich gleich, umarmte mich und fragte, Genosse Kommandeur, was wird mit uns? Ein Polizist hörte, dass man mich Kommandeur genannt hatte, und schleifte mich zum Kommandanten, er fragte, ob ich wirklich Kommandeur war, ich sagte Ja. Offiziere müssen bei uns nicht körperlich arbeiten, wir schicken dich in ein Offizierslager.

Ich danke Gott bis heute, dass er mir meinen Soldaten geschickt hat, der mich vor dem unausweichlichen Tod rettete. Ich wurde in ein Offizierslager geschickt. In unsere Baracke kamen Vertreter der ROA, der „Wlassow-Armee“, und warben für den Eintritt in ihre Truppen, aber von uns ging niemand, und dann kamen wir alle nach Deutschland. Unser Kommando, bestehend nur aus Offizieren, musste die Eisenbahnstrecke nach amerikanischen Bombenangriffen wieder aufbauen. Die Amerikaner befreiten uns.

In Finnland trugen wir im Winter bei der Holzbeschaffung zerrissene Soldatenmäntel, auf dem Kopf eine einfache Feldmütze, an den Füßen Holzklötze und dreckige Wickelgamaschen, Handschuhe hatten wir keine.

[…]

Ich wünsche Ihnen alles Gute, Glück und Gesundheit im neuen Jahr.

[Unterschrift].

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