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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

488. Freitagsbrief (vom Dezember 2005, aus dem Ukrainischen übersetzt).

Ukraine
Gebiet Kiew
Jakow Kononowitsch Atamanenko [Jahrgang 1911].

Guten Tag, gute Menschen von KONTAKTbI,

guten Tag, liebe Frau Dr. Hilde Schramm und Herr Eberhard Radczuweit,

Es schreibt Ihnen seinen ersten Brief der ehemalige sowjetische Kriegsgefangene Atamanenko Jakow Kononowitsch. Wenn etwas falsch geschrieben ist, bitte ich um Entschuldigung. Ich bin den Menschen in Deutschland für Ihre Achtung nach so vielen vergangenen Jahren sehr dankbar. Das kann man nicht vergessen.

Mein Leben war sehr hart. Als ich zehn Jahre alt war, starben meine Eltern. Ich war der Älteste in der Familie. Die Familie bestand aus sieben Kindern. Wir haben 1933 die Hungersnot erlebt.

Im Juni 1941 wurde ich in den Krieg eingezogen. Zuerst kämpfte ich bei der Stadt Priluki im Gebiet Zhitomir. Im Dorf Kosemiriwka im Bezirk Karaglickij wurde ich am Bein verletzt und gefangen genommen. Ein Jahr lang lebte ich im Lager in Priluki [Dulag 200]. Wir erledigten unterschiedliche Arbeiten – verlegten Kabel, fällten Bäume. In unserer Baracke lebten 250 Gefangene. Ich bin allein am Leben geblieben.

Danach wurde ich nach Essen überwiesen. Drei Jahre lang arbeitete ich im Bergwerk Nr. 1. Einmal stürzte eine Decke ein. Sieben Monate befand ich mich in einem Spital. Nach der Behandlung war ich immer noch schwach und konnte den Wagen mit Kohle kaum anstoßen. Der Wagen kippte um. Ich wurde unter dem Kohlehaufen begraben. Einmal drang eiskaltes Wasser in die Grube. 12 Stunden lang waren wir da eingeschlossen. Ich kann sehr viel über meine Gefangenschaft schreiben. Wenn Sie mir antworten, berichte ich gerne über weitere Ereignisse.

Die Amerikaner haben uns befreit. Wir wurden unseren Truppen übergeben. Eine gewisse Zeit haben wir in der Stadt Deutsch Krone die Ernte eingebracht.

1946 kam ich nach Belarus. Sechs Monate arbeitete ich an der Bahnstation Kalinkowitschi und kehrte danach heim. Zu Hause warteten meine Ehefrau Marija Timofejewna und vier Kinder auf mich. Ich habe den Tod meiner Frau, eines Sohnes und einer Tochter erlebt.

Ich habe noch keine Hilfe erhalten. Ich bin schon sehr alt. Es freut mich aber, dass die Kinder und Enkelkinder aus Deutschland mich nicht vergessen haben.

Ich will Sie zu Gast einladen. Ich verstehe, es gab eine schreckliche Zeit. Wir sind jedoch alle Menschen. Die Zeit hat ihr Wort gesagt und alles geregelt. Wir streben nach demselben Ziel – nach Frieden für das eigene Volk und für alle Völker auf der Erde. Ich bin überzeugt, dass der Schrecken der Vergangenheit sich nie wiederholen wird.

Mein Leben geht zu Ende. Ich werde nicht mehr lange leben. Ich wünsche mir sehr, dass Sie Kontakte mit meinen Kinder und Enkelkinder aufrechterhalten.

Ich wünsche Ihnen zu Weihnachten und Jahreswechsel beste Gesundheit, Freude und ruhiges Leben.

Auf Wiedersehen.

Mit Hochachtung

Opa Jakow.

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