Direkt zum Navigationsmenü.


KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

48. Freitagsbrief (6.06.2007).

Russland
Gebiet Nishnij Nowgorod
Arsentij Isaakowitsch Barbakow.

Guten Tag,

auf Bitte des Großvaters schreibt diesen Brief seine Enkeltochter Je. I. Bogatkowa. Aus Ihrem Brief haben wir erfahren, dass Sie unsere Antwort nicht erhalten haben. Es scheint so zu sein, dass die Verwaltung selbst eine Antwort schicken wollte. Aus irgendwelchem Grund hat sie das nicht getan. Wir bitten um Entschuldigung.

Ich möchte mitteilen, dass der Großvater im vorigen Jahr Ihre Hilfe von 300 Euro und einen Brief erhalten hat. Wir bedanken uns beim Projektleiter, beim Vorstand und bei allen privaten Personen, Einwohner Deutschlands, die daran teilgekommen haben. Im Sommer 2006 wurde im Haus des Großvaters eine Gasleitung verlegt. Wir würden sagen, sie haben an dieser Aktion auch teilgenommen und Ihren Beitrag geleistet. Am 18. Januar 2007 wurde der Opa 92 Jahre alt. Er ist immer aufgeregt, wenn er ein Dokument liest, das ihn mit der Vergangenheit verbindet, obwohl bereits 60 Jahren vergangen sind. „Ich habe im Leben vieles erlebt“; – sagt der Großvater.

Als er in der Kriegsgefangenschaft war, berichtet der Großvater, arbeitete er von frühen Morgenstunden bis zur Nacht. Er arbeitete mit den Tschechen zusammen. Die Gefangenen bewegten sich nur unter Bewachung. Das Essen bereiteten die Kriegsgefangenen sich selbst zu. Für einen Tag gab es 400 Gr. Brot. Am schrecklichsten war eine Explosion in einem Bergwerk. Der Großvater verlor damals alle Finger an einer Hand. Viele Gefangene waren bewusstlos. Sie wurden von den Kameraden weggebracht. Viele Menschen wurden nicht gerettet. Sie wurden vom Kohlenoxid erstickt.

Im August 1945 kehrte der Großvater in die UdSSR zurück. Nach dem Krieg arbeitete er in einer Schmiede und in einer Mühle. In einer kleinen Fabrik arbeitete er bei der Produktion von Pflanzenöl. Zu Hause bastelte die Familie, vor allem die Großmutter, Filzschuhe und verkaufte sie. Die Familie hatte eigenes Vieh und baute den Bauernhof wieder auf. Sie arbeiteten sehr viel. Die Großmutter starb vor drei Jahren. Seitdem lebt der Opa ohne seine Ehefrau. Wir bemühen uns, Großvaters Gesundheitszustand zu verbessern. Der Opa ist für uns sehr wichtig. Wir lieben ihn.

Wir möchten gerne Ihr Buch, den Sammelband mit den Erinnerungen, lesen. Dem Großvater ist jede Information sehr interessant. Schreiben Sie uns bitte!

28.04.2007.

P.S. Am 30.04.07 haben wir einen Brief mit dem Kurangebot bekommen. Leider kann der Großvater aufgrund seines hohen Alters nicht dorthin fahren.

Anlage:

Archivbescheinigung aus dem Jahr 2001 vom Staatsarchiv Nishnij Nowgorod mit Bestätigung der Gefangennahme, Auflistung der Aufenthaltsorte in Deutschland und Befreiungs- und Prüfungseinzelheiten.

****

Erläuterungen:

1. Viele Spendenempfänger bitten um unser Buch „Ich werde es nie vergessen“ – 60 Briefe ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener. (Chr. Links Verlag) Wer es bekommt, versucht es mühsam mit Hilfe eines Wörterbuchs zu entschüsseln.

2. Kurangebot: Der Bundesstiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ ist es vom Gesetzgeber untersagt, die ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen finanziell zu begünstigen. So schlug sie ihren Partnerorganisationen vor, aus den Restmitteln der „Zwangsarbeiter-Entschädigung“ als humanitäre Geste Kuraufenthalte zu bezahlen. Leider können viele aus Alters- und Krankheitsgründen diese Kuren nicht in Anspruch nehmen.

E.Radczuweit.

Zum Seitenanfang


Zurück zum Seitenanfang.