Direkt zum Navigationsmenü.


KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

47. Freitagsbrief (1.06.2007).

Russland
Gebiet Tula
Natalia Iwanowna Panina.

Sehr geehrter Herr Eberhard Radczuweit,

Diesen Brief schreibt Natalia Iwanowna Panina, die Tochter von Iwan Filippowitsch Chudow. Erstens möchte ich meinen Respekt für Ihre Anerkennung des Unrecht nennen, das unseren Vätern vor 60 Jahren angetan wurde. Leider hat mein Vater Iwan Filippowitsch Chudow diesen Tag nicht mehr erlebt. Er starb am 6. November 2006. Ich war an seinem Grab und berichtete über Ihren Brief. Ich hab den Brief vollständig vorgelesen. Ich glaube daran, dass er das gehört hat. Das wäre für ihn ganz wichtig, diese Worte zu hören.

Er lebte 87 Jahre lang. Er erinnerte sich an die Kriegsgefangenschaft und darauf folgende Probleme sehr ungern. Er hat fast nichts erzählt. Einmal stellte ich dem Vater eine Frage: „Warum hast du so verletzte, derbe Nägel?“ Er antwortete: „Anscheinend ist es so, nachdem mir in der Kriegsgefangenschaft die Nadeln darunter getrieben wurden.“ Wir konnten seinen Aufenthalt in der Kriegsgefangenschaft lange Zeit nicht bescheinigen, obwohl zu jener Zeit die Filtration sehr gründlich war. Wir suchten mehrere Institutionen auf. Als wir diese Bescheinigung erhielten, kamen Medikamente zum Einsatz.

Der Vater war ziemlich streng. Er hasste die Lüge. Nach der Befreiung wurde Vater ins Bergwerk im Gebiet Perm geschickt. Er blieb dort auf Dauer. Er arbeitete 25 Jahre lang in einem Kohlebergwerk unter Tage. Der Vater und die Mutter lebten 57 Jahre zusammen. Sie zogen drei Söhne, zwei Töchter, neun Enkelkinder und zehn Urenkel groß. Meine Eltern führten kein reiches Leben, lebten aber friedlich zusammen. Als die Mutter krank wurde, zogen die Eltern in meine Wohnung. Bei uns wohnten sie sieben Jahre lang. Der Vater war ein kluger und stolzer Mensch. Er bemühte sich, nach dem Prinzip der Gerechtigkeit zu leben. Er hatte die Heuchler nicht gern. Er träumte von einer Fahrt mit dem neuen Auto, das ihm als Kriegsveteran der Staat versprach. Er starb vor dem Erreichen seines Platzes in der Warteliste.

Wir, die Nachkömmlinge von Iwan Filippowitsch, bitten um Zusendung einer Kopie Ihres Schreibens. Ich habe auf dem Friedhof so stark geweint, dass durch die Tränen einige Stellen auf dem Blatt nicht mehr lesbar sind. Ihr Brief wird für kommende Generationen in unserem Familienarchiv aufbewahrt.

Vielen Dank für Ihre Taten! Die junge Generation muss wissen, was der Krieg mit sich bringt. Möge Gott das Übel namens „Krieg“ von unserer Erde für Ewigkeit wegjagen! Mögen alle Konflikte nur friedlich gelöst werden. Möge auf unserem Planeten Frieden für immer herrschen!

Hochachtungsvoll

Natalia Iwanowna Panina.

Zum Seitenanfang


Zurück zum Seitenanfang.