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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

469. Freitagsbrief (vom Oktober 2005).

Ukraine
Krim
Dshemil Medshitow.

Mein Name ist Dshemil Medshitow, Jahrgang 1921. Ich kam zur Welt im GebietBelogorsk, Dorf Katyscha, der Republik Krim.

Im September 1940 wurde ich vom Belogorsker Militärkommissariat in die Sowjetarmee eingezogen, in das Gebiet Saratow, die Stadt Balaschow. Ich diente im Haubitzen-Artillerie-Regiment 620. Am 22. Juni 1941 begann der Krieg. Unser Regiment 620 wurde an die Belorussische Front geschickt. Im Oktober 1941 geriet ich in deutsche Gefangenschaft, in die Stadt Brandenburg [Stalag IIA /Neu-Brandenburg/]. Meine Lagernummer 11150. Von dort nahm man uns zur Arbeit bei einem Gutsherrn im Weiler Woggersin. Ich arbeitete als Ochsengespannführer von Oktober 1941 bis April 1945.

Der Weiler Woggersin lag 5–6 km von der Stadt entfernt, neben dem Dorf Kalübbe. Am Ende der Straße auf der linken Seite stand die Kirche. Daneben war ein Wohnheim, in dem Polen wohnten. Das Haus des Gutsherrn hatte drei Etagen, der Hof vier Zufahrten. Hinter dem Haus war eine große eingezäunte Weide (im Sommer weidete dort das Vieh). An den Namen des Gutsherrn kann ich mich nicht erinnern, er war hager, nicht sehr groß. Seine Frau eine füllige Blondine. Sie hatten fünf Kinder (4 Mädchen und einen Sohn). Der Gutsherr hatte einen Verwalter (kräftiger Mann, seine Frau hager, sie hatten eine Tochter).

Der Verwalter hatte drei Kolonnenführer:

Für die Pferde und Ochsen: Towdi ( ein älterer Mann).

Für die Arbeiter: Mits (ein älterer Mann).

Für die Polen: ein Pole (an den Namen erinnere ich mich nicht).

Die Gespannführer waren: Grot (ein Deutscher, älterer Mann) Anton (ein Pole, ca. 45 Jahre alt), Erbek (ein Deutscher, junger Bursche, auch sein Vater war ein Gespannführer).

Der Verwalter hatte ein schwarzes Pferd, auf dem er von 10–11 Uhr Kontrollgänge ritt.

Wir waren 20 Kriegsgefangene, im Verlaufe von 3–4 Monaten waren wir nur noch 6 Überlebende (erkrankten an Ruhr). Die sechs Gefangenen – unser Ältester war Iwaschenko Jascha, Jaraschenko, Wasja, Nikolai, Kerik und ich (man nannte mich Serjosha, weil ich blond und blauäugig war).

Es gab sechs Ochsen – mit dreien arbeitete Wasja, mit dreien arbeitete ich.Wir arbeiteten ununterbrochen beim Gutsherrn vom Oktober 1941 bis April 1945. Der Gutsherr hatte noch acht Franzosen und zwei Russen, die 1918 in Kriegsgefangenschaft geraten waren. (Josin – Schweinehirt, Kasimir – Wachmann, fünf Mädchen aus Saporoshje).

Wir arbeiteten auf dem Feld. Pflanzten Kartoffeln, Zuckerrüben, Kohlrüben, Raps, Weizen, Mohn. Der Weizen wurde in Scheunen gelagert (Die Dreschmaschine war auch in der Scheune). Gedroschen wurde im Winter und nach Bedarf. Die Zuckerrüben wurden auf Schmalspurwaggons zur Bahn in Richtung Kalübbe gebracht.

Wir sind in den Wald nach Holz gefahren, haben Feuerholz für das nächste Jahr geschlagen. Aus der Stadt kam den Gutsherrn der Schwiegervater besuchen (ein großer, starker, grauhaariger Mann). Die 4. Zufahrt war mit Draht versperrt, gegenüber war der Schweinestall. Wir wohnten im Pferdestall auf Pritschen.

[…]

Hochachtungsvoll

Medshitow Dshemil.

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