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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

464. Freitagsbrief (vom August 2015, aus dem Russischen von Jennie Seitz).

Michail Georgijewitsch Pankow
Ukraine
Saporoshje.

Guten Tag, verehrter Herr Eberhard Radczuweit.

Ich, Pankow Michail Georgijewitsch, geboren am 21. November 1920 in Kuban, Krasnodarskij Kraj, Stadt Tichorezk, leistete 1940 meinen Wehrdienst in Resekne, Lettland. 1941 in Litauen, Siedlung Krasno, Station Simono.

Am 22. Juni 1942 um 4 Uhr morgens begann uns die Luftwaffe zu bombardieren, und am 26. Juni erlitt ich Verletzungen am Kopf, am rechten Arm und an der Nasenwurzel – also zwischen den Augen. Von 9 Uhr morgens bis 16 Uhr lag ich verletzt unter einem Haufen Erde. Dann lief eine Kolonne Kriegsgefangener vorbei, und ich wurde aufgelesen, in einen Wagen gesetzt und nach Polen gebracht, in die Stadt Suwalki [Stalag IE]. Im Juli setzte man uns in einen Zug und wir fuhren drei Wochen lang nach Berlin. Wir wurden mitten durch die Stadt getrieben, die Einwohner Berlins sahen uns. Am 1. August war ich schon im Lager Nr. 10 [Stalag XB Sandbostel]. Am 1. September 1941 war ich in einem Lager in Hamburg, wir bauten im Hafen ein Gebäude für die Reparatur von Schiffen – „DOK“. Dieses Gebäude „Dok“ war vorgesehen für die Reparatur von Seeschiffen aller Größen. Im Oktober wurden wir in ein anderes Lager verlegt. Wie es hieß, in welcher Region, Stadt oder welchem Dorf es war, weiß ich nicht. Dort war ein sehr großer Sandsteinbruch. Nach 15–17 Tagen rannte ich weg, in nördliche Richtung und wurde in der Nähe des Lagers Nr. 10 gefasst. Einen Monat im Karzer bekam ich für die Flucht. Im Dezember, Anfang des Monats, wurden wir zum arbeiten zu Bauern geschickt. Ich war in Süderdeich [Wesselburen] bei Bauer Hermann […]. Bei ihm arbeitete eine Deutscher, Kim… [unleserlich], sein Sohn Karl und seine Tochter Annegret, die Frau des ältesten Sohnes Berta, der Franzose Ari, der Serbe Jördan Wukitsch, die russischen Kriegsgefangenen Krilow Sergej aus Kamyschin an der Wolga, Koslow Alexander aus Tula, Tataren aus Kasan – Gataula Safiulin, Baryj und Malajka Safiuliny und ich, Pankow M. G. 1943 wurde ich in das Straflager der Stadt Heide verlegt, in ein Sägewerk. Einen Monat später versetzte man mich in das Dorf Geme oder Hemme zu der Bäuerin Frau H. Bei ihr lebten ihre Schwiegertochter und ein kleines Mädchen, die junge Russin Ljusja und die junge Polin Irina, die russischen Gefangenen Grischa aus Winniza, Ukraine, Simakow Fjodor aus Kursk (ein Schuster), Prokopenko (aus Poltawa), Tscherednitschenko aus Tschernigow. Beaufsichtigt wurden wir von dem Deutschen „Patschke“. Im Dezember 1944 wurde ich zu Frau K. versetzt, sie versorgte die Einwohner mit Kohle (Steinkohlebriketts und Kleinkohle). Dort war außer mir der belgische Gefangene „Alfus“. Wir fuhren gemeinsam die Kohle in 50-Kg-Säcken an die Dorfeinwohner aus.

Am 1. Mai 1945 kamen britische Soldaten in unser Dorf. Am 15. Mai übergaben sie uns den amerikanischen Soldaten, und zwischen dem 1. und dem 5. Juni wurden wir in die russische Armee zurückgeführt, wo ich noch bis zum 1. Februar 1946 diente. Nach Hause kehrte ich am 10. Februar 1946 zurück. Von 1946 bis 1996 arbeitete ich in einem Verkehrsbetrieb und ging dann in Rente.

Seit 2006 lebe ich alleine. Meine Frau ist gestorben. In Saporoshje und Umland leben noch 29 meiner Kinder, Enkelkinder, Urеnkelkinder und eine Ururenkeltochter, die am 24. Dezember 2014 geboren wurde.

Das ist die 5. Generation –.

Also bin ich der glücklichste und reichste Mensch von Saporoshje und der ganzen Ukraine.

Ich werde versuchen, hundert Jahre alt zu werden.

Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre Fürsorge und den Respekt uns gegenüber, dafür, dass es weder auf Ihrer noch auf unserer Seite Zorn gibt.

Wenn jemand von Ihren Mitarbeitern oder Korrespondenten einmal hier in der Gegend ist, soll derjenige gerne zu uns nach Saporoshje kommen. Ich erinnere mich noch gut an vieles aus der Vergangenheit.

Verzeihen Sie die späte Antwort, ich war zur Behandlung im Krankenhaus und im Sanatorium.

Mit herzlichen Grüßen an Sie und Ihr Kollektiv.

[Unterschrift].

****.

[Die deutschen Familiennamen wurden von der Redaktion verborgen.].

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