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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

462. Freitagsbrief (vom Juli 2015, aus dem Russischen von Jennie Seitz).

Iwan N. Solotow
Iwanowo
Russland.

Liebe Freunde!

Es schreibt Ihnen der ehemalige Kriegsgefangene Solotow I. N. Ein wenig über mich: In Gefangenschaft geriet in bei Wjasma, konnte mich nicht aus der Umzingelung befreien und wurde gefangen genommen. Wir wurden neun Tage lang in unbedachten Waggons gefahren, zu essen gab es so gut wie nichts, Kartoffeln und Kohl warfen sie einfach in den Waggon. In einen Waggon packten sie 150 Menschen, wir mussten stehen. Sie brachten uns in die Nähe von Baranowitschij, von der Station aus mussten wir fünf Km laufen. Auf dem Weg zum Lager überquerten wir einen Fluss, wir stürzen zum Wasser und wollten trinken. Die Deutschen eröffneten das Feuer, es gab viele Tote.

Dann trieben sie uns ins Lager, wo wir in halbbefestigten Baracken mit Holzpritschen untergebracht wurden. In die Küche wurden wir in Reihen zu 12 Mann geführt, für 12 Menschen gab es einen Laib Brot. Können Sie sich vorstellen, wie viel Gramm in dieser Ration waren?

Einmal zieht mich ein Offizier Feldwebel aus der Kolonne, führt mich in den Küchenraum und fragt mich, wie alt ich sei. Ich antworte auf Deutsch: „Siebzehn Jahr“[*]. Dann fragte er mich, wie ich heiße, ich antworte „Iwan“ („Oh, russisch Iwan“), dann gab er mir zu essen und ließ mich auch noch etwas mitnehmen. Etwa zwei Monate später sage ich zu ihm: „Ich will arbeiten Küche“[*]. Und er: „Oh, es gut, viele Essen“[*] und zeigt auf seine aufgepusteten Wangen. Dieser Feldwebel hieß mit Nachnamen GRAF. Dieser Graf krümmte niemandem auch nur ein Haar, schüttelte nur den Kopf über das, was im Lager vor sich ging.

Im Lager wütete Typhus, die Ruhr, der Hunger, es starben 30–40 Menschen am Tag. Es gab ein spezielles „Kaputt-Kommando“, das diese Menschen auf Schlitten wegfuhr. Ein Graben war ausgehoben worden und dort wurden sie wie Holzscheite in zehn Reihen hineingelegt.

Es war schrecklich, das alles mit anzusehen. Von Zeit zu Zeit kam ein Auto, ein „Seelenverkäufer“, und nahm Menschen mit – „Kommissare und Politarbeiter“.

Ich erkrankte an Typhus, wurde ins Lazarett verlegt, 40° Fieber. Morgens wurde ich auf meiner Pritsche wach, schaue nach links und rechts – Tote. Morgen bin ich dran, denke ich. Dank meinem jungen Organismus überstand ich die Krankheit. Meine Kameraden aus der Küche schickten mit Essen, der Deutsche brachte es mir, und ich wurde wieder gesund, konnte wieder in der Küche arbeiten. Ich bin diesem Feldwebel GRAF sehr dankbar, dass er mir das Leben rettete. Es ist unmöglich, alles zu beschreiben, was in diesem Lager „Stalag 337“ vor sich ging. Meine Gefangenennummer war 15524.

Meine Adresse ist dieselbe: Russland, […].

Ich danke Ihnen für Ihre Fürsorge und wünsche Ihnen eine feste Gesundheit!

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[*] Deutsch im Original.

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