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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

437. Freitagsbrief (aus dem Russischen, Übersetzer/in unbekannt).

Ukraine
Gebiet Chmelnizkij
Feodosij Maksimowitsch Chotjatschuk
15. Juni 2007.

Sehr geehrte Frau Dr. Schramm und sehr geehrter Herr Radczuweit,

[…]

Ich habe von Ihrer Organisation humanitäre finanzielle Unterstützung in Höhe von 300 Euro erhalten und möchte hierfür recht herzlich danken.

In der Sommerhitze des Jahres 1942 führten unsere Streitkräfte in den Weiten der Steppen nahe des Don schwere Abwehrkämpfe gegen die faschistische deutsche Wehrmacht, die heimtückisch über unser Land hergefallen war. Die Kräfte waren ungleich verteilt. Da unsere Luftwaffe uns nicht zu schützen vermochte und wir keine Flak-Geschütze besaßen, fielen die zahllosen Kampfbomber vom Typ Ju-87 und Ju-88 immer wieder über uns her, ohne dass wir uns wehren konnten. Obwohl unsere Gardedivision weitestgehend zerschlagen worden war, konnten wir die gegnerischen Panzer immer noch aufhalten. Doch leider hielten die Divisionen rechts und links von uns ihre Stellungen nicht. Deshalb wurden wir eingekesselt, und unsere Nachschubwege für Munition und Lebensmittel abgeschnitten. In der Nähe der Stadt Millerowo gerieten wir schließlich in Gefangenschaft. Außer verbranntem Weizen, den wir in einem verkohlten Getreidespeicher gefunden hatten, gab es nichts zu essen. Im Anschluss an unsere „Quarantänezeit“ von Millerowo [berüchtigtes Dulag Grube von Millerowo] wurden wir wie Vieh nach Deutschland verbracht. Wir litten mehr als 20 heiße und kalte Nächte hindurch, ehe wir Deutschland erreichten. Dort gab man uns Kriegsgefangenen nur Steckrüben und Brotersatz aus Sägespäne zu essen. Ein Laib musste für zehn Tage reichen. Und dabei schufteten wir bis zum Umfallen. In Nürnberg mussten wir Trümmer schleppen und alten Deutschen, die wir mit „Herr Meister“ ansprachen, dabei helfen, die Schäden an den von englischen Bombern zerstörten Wohnhäusern zu beheben. Die deutsche Zivilbevölkerung hegte uns gegenüber keine feindlichen Gefühle. Es kam sogar vor, dass Einheimische uns heimlich Lebensmittel zusteckten, die uns halfen, die Hölle der Gefangenschaft zu überleben.

Bald verschleppte man uns in die Steinbrüche Norwegens. Die meisten meiner Kameraden überlebte diese Sklavenarbeit nicht.

Sehr geehrte Damen und Herren, entschuldigen Sie bitte, dass ich aus objektiven Gründen das Leben der Kriegsgefangenen während und nach dem Krieg nicht zu beschreiben vermag.

Hochachtungsvoll und mit den besten Wünschen,

Feodosij Maksimowitsch Chotjatschuk.

Gemeinde Schtschurowtschiki, Kreis Isjaslaw,

Gebiet Chmelnizki, Ukraine.

Ps. Liebhabern der Astronomie empfehle ich meinen in russischer Sprache abgefassten Beitrag „Zur Hypothese über Phaeton“, der im Internet unter www.theodosy.h.com.ua/phaeton verfügbar ist. [Die Seite ist leider gelöscht, d. Ü.].

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