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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

426. Freitagsbrief (vom Juni 2007, aus dem Russischen von Klaus Jansen).

Wladimir Iwanowitsch Markow
Ukraine
Donbass.

In den ersten Zeilen meiner Antwort auf Ihren Brief aus Berlin (vom 16.05.07) möchte ich […] und allen guten und hilfsbereiten Menschen Deutschlands herzlich für die mir – einem ehemaligen Kriegsgefangenen in faschistischen Lagern – entgegengebrachte starke materielle Hilfe in Form von Euro danken.

Sie baten mich, einige Bruchstücke aus meinem Leben in Gefangenschaft auf deutschem Gebiet während des Krieges zu beschreiben.

In Gefangenschaft geriet ich im August 1941 bei Kiev mit einer großen Gruppe unserer Soldaten – von deutschen Truppen eingekesselt – und man deportierte uns in ein großes internationales Lager nach Luckenwalde [Stalag IIIA]. Von dort aus verwendete man uns gelegentlich für verschiedene Arbeiten. Ungefähr 1944 gelang es mir in einem Verband mit 30– 40 Menschen in irgendeine Fabrik verlegt zu werden (ich erinnere mich nicht mehr: Görlitz oder Laubam, bei der ein kleines Lager war, wo wir lebten und arbeiteten und dadurch die deutsche Jugend ersetzten, die an die Front ging.

Ich arbeitete mit einem älteren deutschen Arbeiter zusammen – wir klebten mit dünnem Papier irgendwelche großen Metallplatten für elektrische Maschinen zusammen. Das Wichtigste, was mir für das ganze Leben im Gedächtnis blieb, war das feinfühlige und gute Verhältnis dieses deutschen Arbeiters mir gegenüber. Er sah keinen Kriegsgefangenen vor sich, sondern vor allem einen Menschen aus einem anderen Land, der ihm bei der Arbeit half.

… Es ertönt die Sirene zur Mittagspause und der Arbeiter nimmt aus seiner Tasche eine Metalldose mit zwei dünnen Stückchen Brot mit Margarine beschmiert. Während er das Brot bricht und eine Hälfte zur Seite legt, zwinkert er mir zu: „nimm und iss“. Für ihn selbst war diese Portion zu wenig, doch teilte er mit mir, zeigte Feinfühligkeit und hatte großes Mitleid mit mir. Ich war sicher, dass es viele solcher guten und feinfühligen Menschen nicht nur in der Fabrik, sondern auch in ganz Deutschland gab, ungeachtet dessen, dass Krieg war …

Ein wenig über mich selbst. Heute lebe ich in einem kleinen Wohnbezirk in einem staatlichen Haus mit meiner Frau, zwei erwachsenen Kindern und vier Enkelkindern. Für die von Ihnen erhaltene Hilfe kaufte ich einen Videorekorder und jetzt zeige ich ihnen Zeichentrickfilme, wobei ich erzähle: “Gute Menschen aus dem fernen Deutschland, das mir immer näher kommt, haben diesen Apparat Eurem Großvater geschenkt …“

Ich wünsche dem ganzen deutschen Volk beste Gesundheit, Nutzen, Glück und ein Blühen Eures Heimatlandes.

Hochachtungsvoll an Sie, Wladimir Markow.

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