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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

425. Freitagsbrief (vom März 2006, aus dem Ukrainischen von Sibylle Albrecht).

Ukraine
Iwano-Frankiw´s´k
Pawlo-Iwan Opanassowitsch Pawlenko.

Erinnerungen an die Kriegsgefangenschaft 1941–1945

Während der Kämpfe um die Bahnstation Idriza im Gebiet Pskow am 12.07.1941 war ich zwei Mal verwundet worden (11 Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags), am rechten Fuß und an der Hüfte schwer, außerdem drei Mal Splitterverletzungen am linken Arm, während des Granatwerferbeschusses unserer Stellungen; eine Splitterverletzung im rechten Arm, zwei Verwundungen am Hals. Einen Teil der Splitter hat man entfernt, aber 5 blieben in meinem Körper. Viel Blut habe ich verloren – im Schockzustand brachte man mich in das Lazarett im Dorf Kizkowo (ganz genau kann ich mich an den Namen nicht erinnern), Landkreis Idriza, Gebiet Pskow.

Dort blieb ich in Behandlung bis zum 17. September 1941 und von hier kam ich in deutsche Gefangenschaft. Man brachte uns in das Kriegsgefangenenlager Ostrow[es existierten verschiedene Dulags im Gebiet Pskow: Idriza, Porchow], Gebiet Pskow. Etwa Mitte Oktober 1941 erfolgte die Verlegung in das Lager Pskow [Stalag 372], Mitte November 1941 dann ging es in offenen Güterwagen in das Kriegsgefangenenlager Rezekne, [Stalag 347 Rossitten] Lettland. Das war ein schreckliches Lager in einer Sandgrube, 500 m lang, 150 m breit, 2 m tief, mehrfach umzäunt mit Stacheldraht, und streng bewacht. Außer zweier Holzschuppen gab es keinerlei Räumlichkeiten. Über 20 000 Gefangene wurden hierher gebracht. Bei Regen gab es keine Unterstellmöglichkeit, in den Schuppen waren Kranke und Schwache untergebracht. Jeden Tag starben an Hunger und Kälte 10–15 Mann, die man jeden Morgen an den Rand der Sandgrube brachte, wo sie auf Fuhrwerke geladen und an einen Ort zum Verscharren gebracht wurden. Diese Prozession konnten alle Kriegsgefangenen morgens mit ansehen, sie warteten schon, bis sie an der Reihe waren. Zwei Mal täglich gab es Wassersuppe aus Kohlrabi.

Mitte Dezember 1941 wurden die Kommandeure unter den Kriegsgefangenen aussortiert und in das Lager Lodz [Dulag 240] auf polnischem Gebiet gebracht. Sie wurden oftmals verhört wegen ihres Dienstes in der Sowjetarmee, etwa Ende Dezember 1941 wurden dann viele Waggons (Viehwaggons) mit Kriegsgefangenen nach Deutschland in das Lager Hammelburg [Stalag XIII C] gebracht. Im Januar 1942 kamen Abnehmer in dieses Lager und suchten sich Gefangene aus für die Arbeit in ihren Betrieben. Auf einer dieser Musterungen geriet auch ich in eine Gruppe aus 120 Mann für das Ausgraben von Gräben zur Trockenlegung sumpfiger Flächen bei Straubing. Es gab Gerüchte, dass der Besitzer dieser Flächen ein alter russischer Emigrant namens Puchow war.

Hier behandelte man uns menschlich. Wir bekamen normales Essen, das war für uns die Hauptsache. Die Bewacher und die Meister bei der Arbeit waren anständig, sie brachten uns viel bei und wir waren ihnen dankbar. Etwa 1944 versetzte man uns in das Messerschmitt-Flugzeugwerk Regensburg. Es wurde oft von den anglo-amerikanischen Flugzeugen bombardiert und wir mussten die zerstörten Gebäude und Bauwerke enttrümmern. Während dieser Bombenangriffe kamen viele Kriegsgefangene ums Leben, denn unsere Baracken befanden sich unweit des Werkes. Wenn die Bomben (vom Wind) in unser Lager abgetrieben wurden, kamen die Menschen ums Leben.

1945 stellte man eine Gruppe zusammen für eine Lafettenfabrik in Weiden, wofür auch ich eingeteilt wurde. Hier erledigten wir verschiedene Hilfsarbeiten. Nach Eröffnung der zweiten Front und dem Vormarsch der Alliierten begann man uns zu evakuieren, weiter weg von der Front. Einige Zeit waren wir zu Fuß unterwegs (unter Begleitung) zu irgendeinem Sammelpunkt (Stadt), und am 23. April 1945 wurden wir noch auf dem Fußmarsch von amerikanischen Panzern eingeholt und aus der deutschen Bewachung befreit. Mit uns waren noch englische, amerikanische, holländische und dänische Gefangene – alle wurden wir auf die Panzer gesetzt und dann fuhren wir gen Osten. So wurden wir freie Menschen. Ende 1945 übergaben uns die Amerikaner an die russische Sonderabteilung „Smersch“ und dann begann für uns eine „lustige“ Zeit der Prüfungen, Überprüfungen, Beleidigungen, Erniedrigungen, Misstrauen, Verdächtigungen, Vorwürfe, Drohungen usw. Warum? Für welches Vergehen?

Unterschrift.

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