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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

403. Freitagsbrief (vom Januar 2012, aus dem Russischen von Karin Ruppelt).

Russland
g. Sol'-Ilezk
Gebiet Orenburg
Leonid Iwanowitsch Makarow.

Am 30. September 1942 – Gefangenschaft. Im Oktober 1942 befand ich mich im Lager „Gatschina“ [Dulag 154 Krasnogwardejsk] bei Leningrad. Ab November 1942 wurden wir nach Letttland gebracht in das Rigaer Lazarett „Schempel“. Ende März 1943 oder im April wurden 17 von uns, die sich wegen Verwundungen oder der schlechten Verpflegung nicht selbständig fortbewegen konnten, zu Bauern verlegt – zur Siedlung Koknas Maja (Haus) Saulajnis Ungurs-Karl, wo ich in der Wirtschaft arbeitete bis Juli 1944. In diesem Juli wurden wir in ein Lager bei Riga [Stalag 350] gebracht, wo ich 3–4 Tage blieb, dann verlud man uns, eine große Gruppe von Arbeitern aus dem Lager Nr. 350, auf einen Kahn und brachte uns über die Ostsee nach Danzig.

In Danzig wurden wir nach der Verteilung in Eisenbahnwaggons getrieben und an verschiedene Orte gebracht. Ich kam in die Stadt Blankenburg in eine Rüstungs-Gießerei. In der Fabrik wurden Minen, Artilleriegeschosse und Gusseisenringe mit einem Durchmesser von 1 m, wie es hieß, für die Stellungen der FAU [V-Waffe] hergestellt. Diese Ringe durchliefen eine thermische Bearbeitung in der Fabrik. Ich gehörte zu einer Gruppe von Arbeitern, die den Hochofen mit Koks und Erz versorgen mussten. Das Erz wurde von Hand mit Schaufeln in kleine Loren verladen, die von Hand auf Schmalspurgeleisen bewegt wurden. Das geschmolzene Metall, der Guss, wurde für kleine Formen von Hand verteilt, größere Partien wurden mit eine Hängebahn zur Pfanne gebracht. Wenn der Guss beendet war, begann das Zerlegen der Formen – die höllischste Arbeit: Nur Rauch, rotes Metall, roter Sand vom Guss, alles brennt und raucht. An den Füßen brennen die Klötze (Stiefel mit Holzsohlen) , die reinste Gasvergiftung. In die Erde sind abgeschnittene Fässer eingegraben zum Löschen der Schuhe an den Füßen. Die Formen mit dem Guss luden wir auf Motorkarren und fuhren sie zu den weiterverarbeitenden Fabrikhallen. Danach begann der Transport von Sand und Formen zu Vibratoren, für zukünftige Formen. Der Hochofen wird von der Schlacke gereinigt, unsere Aufgabe war es, diese heiße Schlacke in Loren auf die Halde zu fahren. Die Halde war sehr hoch, deshalb hatte sie eine Anlage zum mechanischen Hinaufziehen der Loren. Nach dem Wegräumen der Schlacke führten wir Bauarbeiten beim Zerlegen des Fabrikschornsteins aus. Aus diesem Backstein wurde unter der Halde ein Bunker gebaut. Was mich bis heute wundert: der Arbeitsrhythmus funktionierte wie ein Uhrwerk. Wenn der Hochofen repariert wurde, mussten wir Bauarbeiten ausführen. Wenn wieder eine Guss-Etappe beginnt, sind wir am Hochofen und so weiter. 2–3 Tage Guss, 2–3 Tage Bauarbeiten, immer in Abhängigkeit von der Dauer der Reparatur des Hochofens.

Wir arbeiteten den ganzen Tag, ca. von 8 bis 22 Uhr. Im Lauf des Arbeitstags gab es eine Mittagspause von 30 Minuten, Ruhepausen waren nicht erlaubt, Arbeit, Arbeit, sogar hinsetzen durfte man sich nicht. Wir arbeiteten unter ständiger Bewachung hinter Stacheldraht. In den Baracken wurden wir auch bewacht. Zur Arbeit wurden wir entsprechend der Liste des Meisters geschickt. Während der ganzen Zeit im Lager habe ich keinerlei Bezahlung für meine Arbeit erhalten.

Es gibt keine Dokumente darüber, dass ich gearbeitet habe – wer hätte sie einem Gefangenen geben können? Es gibt einen Archivauszug, den ich beilege.

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