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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

393. Freitagsbrief (vom Februar 2009, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Russland
Stawropol
Filipp Michajlowitsch Pankow.

Liebe Freunde, guten Tag!

Ich habe mich unendlich über Ihren Brief und über Ihre guten Wünsche gefreut.

Ja, es gab diese schreckliche Zeit in meinem Leben – Krieg, Verwundung, Einkesselung, Gefangenschaft bei Stalingrad.

In der Gefangenschaft war es überall schwer, aber besonders schwer war es in Wlodimierz-Wolysnki, im „Todeslager für Rote Offiziere“ [Stalag 365]. So lautete die Bezeichnung für das Lager in der Note der sowjetischen Regierung an die deutsche Regierung. Ich war dort sieben Monate, erst im Lazarett (wo ich meine Verletzung auskurierte), danach in der Kaserne. Das Wichtigste in der Gefangenschaft war natürlich das Essen, und das waren 300 g Ersatzbrot, Balanda – Wasser mit Futterrüben – und ein bisschen Magarine. Es waren etwa 700-800 Menschen im Lager, es gab einige Karren, die aber nicht ausreichten, um die Leichen hinaus zu transportieren. Wir bekamen Rüben von der Kolchose, Futterrüben fürs Vieh, und in die ausgeleerten Mieten wurden später die Leichen der Verstorbenen geworfen. Zur Arbeit brachten sie uns nicht. Die Deutschen sagten, bei uns arbeiten die Offiziere nicht.

Dann kam ich mit einem Transport über Tschenstochau (Polen) nach Deutschland, in die Stadt Kreuzburg [Ostpreußen?]. Dort mussten wir an der Bahnstation arbeiten, Aus- und Beladen. Dann wurden wir ausgesondert (junge, gesunde, gebildete Gefangene) und nach Riga (Lettland) ins Stalag 350 gebracht und einen Monat später nach Daugavpils (Lettland), eigentlich sollten wir wohl die Bahnlinie bewachen, aber vorerst mussten wir sie von Büschen und Bäumen säubern, einen Streifen von 50 mal 50 Meter. Dort nahmen wir Kontakt zu Partisanen auf und flüchteten zu Viert zu ihnen. Ich kämpfte bei den Partisanen bis September 1944 als Kommandeur eines Partisanenzuges. Das war in den Kasnjanskij-Wäldern in Weißrussland. Nach der Befreiung Weißrusslands wurden wir der Roten Armee angeschlossen und ich war in einem Baubataillon. Wir bauten die Wasserleitungen in Wilnius wieder auf, danach wurden wir nach Klaipeda (Litauen) verlegt, wo wir eine Fischfabrik und die Schiffswerft wieder aufbauen mussten.

1948 wurden wir in den Norden abkommandiert, in die Republik Komi, zur Arbeit beim Bau der Schnellstraße von Uchta nach Troizko-Petschorsk. 1949 kamen wir in den Hohen Norden, nach Norilsk, zum Bau der metallurgischen Betriebe. 1954 wurde ich aus dem Armeedienst entlassen und habe dann bis 1962 in einem Kohlebergwerk gearbeitet, nach Ende des Vertrags fuhr ich zurück nach Hause, nach Stawropol.

In Norilsk habe ich geheiratet, wir bekamen zwei Söhne. Dann habe ich in Stawropol gelebt und gearbeitet. Erst musste ich eine Arbeit suchen, aber dann fand ich eine Stelle in der Forschungsstelle der Kommunalwirtschaft, wo ich dann 21 Jahre lang gearbeitet habe. Von dort bin ich auch in Rente gegangen.

Jetzt wohne ich mit meiner Frau in unserer Wohnung, wir machen nichts, sind, wie man so schön sagt, im verdienten Ruhestand.

Ich habe schon einen Brief aus Moskau von der Stiftung Verständigung und Aussöhnung bekommen sowie die Überweisung von 300 Euro, wofür ich Ihnen sehr danke.

.......

Ich hege gegen die Deutschen keinen Groll, im Gegenteil, die Deutschen sind ein sehr anständiges Volk, deshalb leben Sie besser als alle anderen in Europa.

Mit vielen Grüßen und in Dankbarkeit,

Pankow.

7.2.2009.

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