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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

392. Freitagsbrief (vom November 2010, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Russland
Nowosibirsk
Petr Nikolajewitsch Boginskij.

An den Vorstandsvorsitzenden des Vereins „Kontakte“ Dr. Gottfried Eberle.

Sehr geehrter Herr Vorsitzender Dr. Gottfried Eberle!

Ich, Petr Nikolajewitsch Boginskij, habe Ihren Brief und die Geldüberweisung erhalten und danke Ihnen sehr herzlich für die Unterstützung und dass Sie uns nicht vergessen haben.

Ich war während des ganzen Krieges in der Gefangenschaft und habe mir als junger Mann die Gesundheit ruiniert, weshalb es nur gerecht wäre, wenn ich eine Entschädigung bekommen würde. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft lebte ich wie unter einem Schleier (sozusagen mit dem Aushängeschild, dass ich in Gefangenschaft gewesen war).

Drei Vorfälle aus der Zeit in der Gefangenschaft sind mir besonders im Gedächtnis geblieben. Beim Ausladen eines Waggons ließ ein Gefangener eine Kiste mit Zigaretten fallen (wir bekamen keinen Tabak) und steckte sich eine Schachtel in die Tasche, wofür der Wachsoldat ihm mit einem Brett auf den Kopf schlug.

Als wir in der Kolonne zur Arbeit marschierten, trat ein Gefangener aus der Reihe, um eine nicht aufgerauchte Zigarette vom Boden aufzuheben. Ein Wachsoldat erschoss ihn im selben Moment.

Die Verpflegung war sehr schlecht. Einmal schüttete sich ein Gefangener auf der Arbeit beim Verladen etwas Getreide in die Unterhose. Bei der Rückkehr ins Lager wurde es entdeckt, der Gefangene musste sich mitten im Winter im Schnee nackt ausziehen und das Getreide aus der Hose schütteln.

Ich lebe jetzt ganz allein und im Juni 2010 bin ich 90 Jahre alt geworden. Die Lebensmittel und Medikamente, die ich aus gesundheitlichen Gründen brauche, sind jetzt sehr teuer geworden und ich brauche unbedingt finanzielle Unterstützung. Ich möchte nicht wie ein Bettler um ein Almosen bitten, aber da ich den ganzen Krieg über in der Gefangenschaft gearbeitet habe und keine Entschädigung bekommen habe, so möchte ich Sie bitten, mich finanziell zu unterstützen.

Ich denke, dass es bei Ihnen genug wohlhabende Leute gibt, die mir aus Nächstenliebe finanzielle Unterstützung zukommen lassen können.

Ich möchte Ihnen nochmals aufrichtig dafür danken, dass Sie den Kriegsveteranen helfen und sie unterstützen und dass Sie das Gedenken an den Krieg wahren. Es ist besonders wichtig, der jungen Generation die Erinnerung an den Krieg zu vermitteln, damit so etwas in der Zukunft nie wieder passiert und damit wir für die kommenden Generationen den Frieden auf Erden wahren können.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Kollegen beste Gesundheit und Erfolg bei Ihrer nicht einfachen wohltätigen Arbeit.

Petr Nikolajewitsch Boginskij.

Nowosibirsk, 15.11.2010, Tel. […]

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