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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

390. Freitagsbrief (vom Mai 2008, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Russland
Gebiet Lipezk
Iwan Wasiljewitsch Jaizkich.

Guten Tag, sehr geehrte Mitglieder des humanitären Vereins!

Ich danke Ihnen für die große Aufmerksamkeit, die Sie den ehemaligen russischen Gefangenen, die in Deutschland waren, zuteilwerden lassen. Ich wünsche Ihnen allen Gesundheit und das Beste im Leben.

Nun möchte ich auf Ihren Brief antworten. Ich, Iwan Wasiljewitsch Jaickch, wurde 1939 zum Dienst in der Armee eingezogen und kam zum 109. Nachrichtenregiment. In diesem Regiment wurde ich zum Fernschreiber ausgebildet und begann dann meine Arbeit als Fernschreiber im Stab des Militärbezirks Odessa. Als der Krieg mit Nazi-Deutschland begann, arbeitete ich weiter im Stab als Fernschreiber. Die Verteidigung von Odessa dauerte bis zum 15. Oktober 1941. Am 15. und 16.10.1941 wurde die Armee, die Odessa verteidigt hatte, auf Schiffe verladen und zur Krim gebracht. Am 16.10. trafen die Schiffe mit der Armee in Sewastopol ein. Die Armee verließ die Schiffe und sollte dort der 51. Armee zu Hilfe kommen, die ein heftiges Gefecht mit den deutschen Armee führte. Die aus Odessa eingetroffene Küstenarmee [Primorskaja armija] unterstützte die 51. Armee bei den Gefechten.

Aber angesichts der Überlegenheit der gegnerischen Deutschen waren wir gezwungen, den Rückzug anzutreten. Die Küstenarmee rückte in Richtung Sewastopol ab, die 51. Armee in Richtung Kertsch.

Die Küstenarmee und die Schwarzmeerflotte verteidigten am 4. Juli 1942 unter heftigen Gefechten den Zugang nach Sewastopol. Dann mussten sie Sewastopol dem Feind überlassen. Die Armeeeinheit, in der ich war, stieß zur 35. Küstenbatterie. Bei der Küstenbatterie konnte unsere Einheit bis zum 8./9. Juli den Feind abwehren. Am 30.6. kam ein Schiff, mit dem die Verwundeten weggebracht werden sollten. Aber das Schiff konnte nicht alle mitnehmen und fuhr ab. Wir setzten die Verteidigung unseres Abschnittes fort. Wir hofften, dass noch ein Schiff kommen würde, um uns abzuholen, aber es kam kein Schiff. Wir hatten schon keine Lebensmittel und kein Trinkwasser mehr. Wir wurden von der Luftwaffe bombardiert und von Artillerie und Granatwerfern beschossen. Ich wurde an der linken Schulter verletzt. Die deutschen Soldaten kreisten uns ein und am 8./9. Juli nahmen sie die Überlebenden in Gefangenschaft.

Das erste Lager, in dem ich war, hatten die Deutschen bei der Stadt Sewastopol aufgebaut. Aus diesem Lager wurden die Kriegsgefangenen dann in andere Lager gebracht.

Im August 1942 kam ich ins Lager Winniza [Stalag 329], wo wir bis Oktober einen Graben zum Verlegen von Kabeln von Winniza nach Uman ausheben mussten. Wir wurden schlecht behandelt und bei der Arbeit streng bewacht. Im Oktober 1942 brachten sie uns zurück ins Lager Winniza. In diesem Lager war ich bis April 1943. Ab Mai 1943 war ich in Deutschland im Stalag IV B in Mühlberg, meine Lagernummer war 212232. Aus Mühlberg wurde ich zusammen mit anderen Gefangenen in ein Lager in Königsbrück gebracht. In diesem Lager wurde ich bei verschiedenen Arbeiten eingesetzt. Dort gab es einen deutschen Wachsoldaten, der uns menschlich behandelte, er hieß Max. Er war an der Front gewesen und war am Bein verwundet worden, deshalb hinkte er. Anfang Mai wurden die Kriegsgefangenen dieses Lagers von einer sowjetischen Panzereinheit befreit. Dann wurden die Kriegsgefangenen mit mehreren Transporten in die Heimat gebracht, wo sie am Wiederaufbau der zerstörten Volkswirtschaft mitarbeiten sollten.

Ich kam ins Kohlenbecken von Donezk, wo wir Kohle fördern mussten. Bis Februar 1946 arbeitete ich im Bergwerk. Dann setzten sie mich in der Schule als Lehrer ein, da ich vor dem Krieg als Lehrer gearbeitet hatte. Bis 1986 habe ich dann in der Schule Biologie unterrichtet.

Ich lebe gut, aber ich bin alt geworden und Krankheiten machen mir das Leben schwer.

Nach dem Ende des Krieges normalisierten sich die Beziehungen zwischen unseren Ländern Deutschland und Russland mit der Zeit wieder, und heute stehen wir in sehr guten Beziehungen, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. Auch auf gesellschaftlicher Ebene sind die Kontakte gestiegen. Es werden Versammlungen, Seminare und andere Veranstaltungen abgehalten. Die Bürger Deutschlands und Russlands können sich ohne Probleme gegenseitig besuchen.

Die Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Russland und Deutschland sind für unsere Länder von großem Nutzen. Ich freue mich über die Freundschaft zwischen Russland und Deutschland.

Ich danke Ihnen nochmals für die Anteilnahme am Schicksal der ehemaligen Kriegsgefangenen aus Russland. Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Glück und alles Gute.

Ich habe Ihre Unterstützung bekommen und danke Ihnen dafür.

Wenn Sie noch Fragen an mich haben, ich beantworte sie Ihnen gerne.

Meine Adresse:

[…].

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