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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

385. Freitagsbrief (vom Mai 2009, aus dem Russischen von Dr. Martin Creutzburg).

Den Brief schrieb die Tochter Natalja Michajowna teilweise nach dem Diktat ihres Vaters.

Russland
Tula
Michail Iwanowitsch Karpuschin.

Herr […]!

Ich möchte mich bei Ihnen und den Mitgliedern Ihres Vereins und dem deutschen Volk für das Gedenken an die schweren Jahre für Ihr und unser Land bedanken.

Für das Gedenken an die Millionen sowjetischer Soldaten, die von der deutschen Wehrmacht gefangen genommen, die getötet wurden oder vor Hunger in den Lagern starben. Wenn sich unsere Familie trifft und Michail Iwanowitsch, unser Vater, sich an die vergangenen Jahre erinnernd davon spricht, dass er bis heute davon träumt, wie er aus der Gefangenschaft floh und in Erdhütten unter freiem Himmel lebte und Gott dankt, dass er bei Regen nicht verschüttet wurde. Die Erdhütten wurden mit Esslöffeln ausgegraben und wenn in solchen Erdhütten bei Regen die Erde bröckelte, reichte die Kraft nicht, sich zu erheben und aufzustehen. Aber ich blieb am Leben, wofür ich dem Schicksal und Gott danke.

Nach dem Krieg war das Leben schwer aber friedlich.

Ich habe eine Familie, meine Frau starb vor sechs Jahren, drei Töchter helfen mir auf die alten Tage, sie haben alle einen medizinischen Beruf, zwei Enkel, zwei Urenkelchen. Ich habe eine große Familie und die Kinder sorgen für mich, sie kauften für mich einen Teil eines Hauses in der Stadt Tula und haben mich aus dem Dorf, in dem ich früher wohnte, weggeholt, das ist im Gebiet Kursk, unweit der Hauptschlachtfelder. Als der Krieg begann, diente ich in der Armee und wir wurden sofort an die Front geschickt, dann geriet ich in Gefangenschaft und war ganze sieben Jahre nicht zu Hause. Es ist unglaublich, dass ich nach solch schwierigem und schwerem Leben fast 90 Jahre alt werden konnte. Ich kann mich selbst versorgen, lese Zeitungen, schaue Fernsehen, folge den Ereignissen in der Welt, ich habe ein kleines Grundstück, 300 m²,^auf dem es mir gefällt, mich mit den Beeten zu beschäftigen.

Es sind Jahrzehnte vergangen, aber das Gedächtnis konnte jene Erlebnisse nicht löschen und es scheint, als wäre alles erst gestern gewesen. Ich bin Ihrem Verein und den Menschen dankbar, die ihr Geld für sowjetische Kriegsgefangene opfern. Dankbar den deutschen Soldaten für ihr Gedenken und ihr Mitgefühl, sie sind unschuldig, sie haben Befehlen gehorcht. Danke, dass Sie sich an uns und unsere Leiden erinnern. An unserem Feiertag, beim Festmarsch am 9. Mai, werden wir immer weniger. Ich schicke Ihnen meine Fotos, die am Tag des Sieges 2008 während des Festmarschs und der Kranzniederlegung gemacht wurden.

Ich schicke Ihnen die Xerokopie des Dokuments, das mir am 26. Mai 1945 übergeben wurde, das meine Arbeit in der Fabrik bestätigt, an den anderen Orten, an denen man uns zu arbeiten zwang, wurden keine Dokumente ausgegeben.

Mit Dankbarkeit und den besten Wünschen, Teilnehmer des Großen Vaterländischen Kriegs

Karpuschin Michail Iwanowitsch.

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