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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

377. Freitagsbrief (vom März 2008).

Russland
Gebiet Moskau
Sergej Iwanowitsch Schabulin.

Ich möchte Ihnen, gemäß Ihrer Bitte, kurz meine Geschichte erzählen.

Das Jahr 1942. Monat Mai. Kämpfe bei Charkow, unsere Truppen wurden eingekesselt, wir konnten uns nicht zu den Unseren durchschlagen. Unter Bewachung durch Soldaten liefen wir zu Fuß zur Bahnstation. Dort wurden wir in Güterwagen verladen, wir fuhren in die Stadt Berditschew [Stalag 339?] im Gebiet Kiew, wie lange wir dort blieben, weiß ich nicht mehr. Wieder wurden wir in Waggons verladen und in die Stadt Sagan [Stalag VIII C/Schlesien] auf polnischem Territorium gebracht, dort wurden wir in Baracken eines Kriegsgefangenenlagers eingewiesen. Ich erinnere mich nicht mehr, wie lange wir dort waren. Dann brachte man uns nach Deutschland. Eine Gruppe von etwa 12 von uns wurde zur Kartoffelernte in die Stadt Stadtgut gefahren, wie lange, weiß ich nicht mehr. Zum Mittagessen bekamen wir Suppe. Nach der Kartoffelernte wurden wir in ein Arbeitslager gebracht. 40 von uns wurde unter Bewachung von älteren Soldaten mit dem Zug in eine andere Stadt gebracht. Dort wurden wir in Baracken untergebracht, die von einem Stacheldrahtzaun umgeben waren, man sagte uns, dass wir in der Zuckerfabrik arbeiten würden. Deutsche Arbeiter gab es dort wenige. Sie behandelten uns nicht schlecht, das Essen war mehr oder weniger normal, nicht so wie im Lager. Als das beendet war, kamen zwei ältere Soldaten, wir mussten uns an der Fabrik aufstellen. Der Besitzer kam mit Frau und Tochter, uns zu verabschieden. Wir hörten, wie die Frau zu ihrem Mann sagte: „Sie kamen mager hier an und fahren dick ab.“ Jeder von uns hatte ein Säckchen Zucker, das bemerkten sie, sagten aber nichts. Dann kamen die beiden Soldaten, brachten uns zur Station, der Zug kam, der eine Soldat sagte uns, dass wir in die Stadt Waldenburg^[Schlesien] zur Arbeit im Schacht bei der Kohleförderung fahren. Das war Anfang 1943.

Wir wurden in Baracken eingewiesen, unter Bewachung durch Soldaten wurden wir als Kolonne zu Arbeit gebracht. Im Schacht arbeitete ich bis November 1944. Ich lud die Kohle in kleine Waggons mit einer großen Schaufel, arbeitete beim Streckenausbau. Die deutschen Bergarbeiter (ältere Menschen), mit denen ich zusammen arbeitete, behandelten mich wohlwollend. Ein Mann mittleren Alters, ein Deutscher, wir nannten ihn „Chef“, offensichtlich der Meister, sagte eines Tages zu mir: „Nimm dich vor dem Steiger in Acht, das ist ein Nazi, ein schlechter Mensch.“ Aber das hatte ich schon selbst gemerkt, weil er mich einmal ziemlich heftig mit dem Fuß getreten hatte.

Im November 1944 brachte man drei von uns aus dem Schacht in ein Sägewerk, das sich nicht weit von unserer Baracke befand. Dort arbeiteten zwei ältere Deutsche und wir drei. Die Halle war sehr groß, dort waren 2 Sägerahmen, wir zersägten Rundholz in Kanthölzer und Bretter.

[…]

Am 8. Mai wurden wir in der Stadt Waldenburg befreit, ich erhielt den Rang eines Feldwebels zurück. Ich diente als Abteilungsführer. Im Mai 1947 wurde ich demobilisiert, ich fuhr in die Stadt Orechowo-Sujewo im Moskauer Gebiet. Ich arbeitete bei der Eisenbahn als Hilfsmaschinist, als Maschinist auf der Dampflokomotive, absolvierte Kurse als Maschinist für Diesellokomotiven, arbeitete aber nicht als solcher. Die Leitung schlug mir die Position als Dispatcher vor, also die Zugbewegungen koordinieren. Ich erklärte mich einverstanden und arbeitete in dieser Funktion 16 Jahre.

Im Alter von 55 Jahren konnte ich in den verdienten Ruhestand gehen.

Ich möchte Ihnen als Vertreter Ihrer Organisation und allen deutschen Bürgern, die sich an die zurückliegenden langen, langen Jahre erinnern, noch einmal meine große Dankbarkeit für Ihr Mitgefühl ausdrücken,.

Mit Hochachtung

Sergej Iwanowitsch.

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