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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

367. Freitagsbrief (vom Mai 2007, aus dem Russischen von Dmitri Stratievski).

Russland
Gebiet Nishnij Nowgorod
Uren
Akindin Kondratjewitsch Koltschin.

Deutsch geschriebene Sätze sind kursiv gedruckt. (Übersetzer).

[…] Vielen Dank für Ihre besten Wünsche, vor allem die Wünsche für Gesundheit und Wohlergehen. Das sind gerade die Dinge, die ich in meinem Leben, im Leben eines Alten, brauche.

Ich bin 87 Jahre alt. Meine Gesundheit ist nicht zu gut. Ich habe nicht gute Augen. Meine Gesundheit haben die Schrecken stark beeinflusst, die ich in deutscher Kriegsgefangenschaft erlebt habe. Ich war eine lebende Leiche. Ich balancierte am Rande des Todes.

Vor dem Krieg besuchte ich eine Mittelschule. 1939 beendete ich sie und nahm ein Studium an der Artillerieschule in Odessa auf. Ich beendete die Ausbildung im Jahre 1941, gerade am Vorabend des Krieges. Gleich nach den ersten Luftangriffen der faschistischen Luftwaffe auf unser Land gelangte ich an die Front. Das war ein völlig überraschender Angriff von Hitlers Deutschland. Wir mussten unsere sowjetische Heimat verteidigen. Das war sehr schwer. […] Der Rückzug ins Hinterland war bitter. Wir kämpften weiter. Ich erlebte die Umzingelungen bei Smolensk und Wjasma. Beim Verlassen der Umzingelung von Wjasma wurde ich am 17. Oktober 1941 verletzt und gefangen genommen. Als Kriegsgefangener wurde ich ins Kriegsgefangenenlager namens Stalag 310 in Daugavpils (Dwinsk) geschickt. Danach brachte man mich ins Lager bei Rezekne in der Republik Lettland [Stalag 347 Rositten]. Von Rezekne kam ich nach Hohenstein [Stalag IB] und anschließend nach Memel in Deutschland. Es fällt mir schwer, mich an die Schrecken und Erniedrigungen zu erinnern, die ich ertragen musste. Die deutschen Wächter behandelten uns brutal, mit Missachtung. Für ein kleines Vergehen schlug man sofort mit dem Gewehrkolben oder trat mit Stiefeln. Das tat weh. Es fällt mir schwer, mich an die Leiden in faschistischer Kriegsgefangenschaft zu erinnern. Ich wurde von den Truppen der Sowjetarmee am 22. Januar 1945 befreit. Danach habe ich eine KGB-Prüfung überstanden und wurde wieder an die Front geschickt. Ich nahm an Kampfhandlungen aber nicht teil, weil der Krieg mit dem Sieg unseres Volkes zu Ende kam. Nach der Demobilisierung im März 1946 begann ich zu arbeiten. 1947 nahm ich das Studium am Institut für Fremdsprachen auf, Fakultät Deutsch, in Gorkij. Nach dem Abschluss des Studiums unterrichtete ich Deutsch in einer Mittelschule.

Ich war Mittelschullehrer und unterrichtete die deutsche Sprache während 20 Jahre. Ich beherrsche die deutsche Sprache nicht zu gut. Heute bin ich Rentner. Ich erhole mich schon 27 Jahre. Im frein Zeit arbeite im Garten. Im Winter fahre ich Ski. Ich führe ein aktives Leben. Ich treffe Jugendliche und führe Gespräche mit den Schülern. Einmal jährlich erhole ich mich in einem Sanatorium oder wurde in einem Spital behandelt.

Das ist gerade, was ich sagen wollte.

Ich wünsche Ihnen, liebe Damen und Herren, beste Gesundheit, Wohlstand und viel Erfolg bei Ihren guten Taten im Namen der Verständigung zwischen unseren Völkern.

Ich bitte um Entschuldigung für schlechte Schrift. Mein Augenvermögen ist schlecht.

Hochachtungsvoll

A. K. Koltschin.

17. Mai 2007.

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