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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

353. Freitagsbrief [vom Februar 2009, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Georgien
Kwareli
Georgij Sacharowitsch Talaschwili
[Es schreibt der Schwager Georgij Budshiaschwili].

Guten Tag, liebe deutsche Freunde!

[…]

Leider hat Georgij Sacharowitsch Talaschwili vor Kurzem ein Auge verloren und auf dem zweiten Auge sieht er sehr schlecht. Außerdem kann er schlecht Russisch und Deutsch. Deshalb habe ich, Georgij Budshiaschwili, der Bruder seiner Frau, ihm geholfen, alle Ihre Briefe zu lesen,und ich freue mich, dass ich nun in seinem Namen mit Ihnen sprechen kann.

G. Talaschwili wurde 1924 in einem kleinen Dorf im Bezirk Kwareli geboren. Er schloss die Schule nicht ab, half der Familie beim Hüten der Kühe. Er heiratete meine Schwester und sie zogen zusammen nach Kwareli. 1987 hat G. Talaschwili seine Frau verloren und einer seiner Söhne ist vor zwei Jahren gestorben. Heute lebt er bei seinem einzigen Sohn.

1942 wurden G. S. Talaschwili und sein Vater gleichzeitig in die Armee einberufen. Ihr Schicksal verlief unterschiedlich, aber beide kehrten aus dem Krieg wieder heim: der Sohn mit einem Schädeltrauma und der Vater verwundet. Und als ich ihm Ihren Brief vorgelesen und übersetzt habe, aus dem wir erfuhren, dass Sie das Geld für ihn bei Ihren Bürgern gesammelt haben und dass Eberhard Radczuweits Vater nicht aus dem Krieg heimgekehrt ist und dass Sie jetzt so eine verantwortungsvolle humanitäre Arbeit auf sich genommen haben, da traten G. S. Talaschwili Tränen in die Augen und er weinte schweigend. Es war das gegenseitige Verständnis zwischen zwei Völkern, die leiden mussten.

Wie G. S. Talaschwili erzählt, hat er an der Stalingrad-Front gekämpft, danach in Rostow, wo er dann verwundet und in bewusstlosem Zustand von den Deutschen gefangen genommen wurde. Als Kriegsgefangener arbeitete er in einem Bergwerk in Polen, dann brachten sie ihn nach Taranto in Italien. Er wurde von den Amerikanern aus der Gefangenschaft befreit, dann kam ein sowjetischer General, der die ehemaligen Gefangenen mitnahm und so landete er wieder in der Sowjetischen Armee. 1947 kehrte er aus der Armee nach Hause zurück. Er war in der Sowjetunion keinen Repressalien ausgesetzt, weil er in der Gefangenschaft gewesen war.

Sein Vater war nach der Rückkehr aus dem Krieg Vorsitzender des Dorfsowjets und späterKolchosvorsitzender. G. S. Talaschwili selbst arbeitete nach dem Krieg als Vorarbeiter auf dem Bau und in der Kolchose. Jetzt ist er Rentner und seine Rente beträgt etwa 70 Dollar.

Wir danken Ihnen sehr für das Geld und für die herzlichen Briefe, wir haben alle bekommen.

P.S. Von mir persönlich möchte ich hinzufügen, dass wir das deutsche Volk sehr mögen – die Deutschen achten das Gesetz, sind klug, gebildet und fleißig. Wenn ich das „Ave Maria“ von Franz Schubert höre, dann denke ich, dass ich Deutscher bin. Und wenn ich die philosophische Musik von Richard Wagner höre oder das Buch von Werner Heisenberg „Der Teil und das Ganze“, da denke ich überhaupt nicht mehr daran, dass es verschiedene Nationalitäten gibt.

Mit freundlichen Grüßen,

G. N. Budshiaschwili

im Namen von G. S. Talaschwili.

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