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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

341. Freitagsbrief (vom Januar 2013, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Aleksej Sidoriwitsch Sokolow
Russland
Shukowo
Gebiet Pskow.

Guten Tag, […]

Ich möchte Ihnen ebenfalls nachträglich Frohe Weihnachten und ein Frohes Neues Jahr 2013 wünschen! Gott gebe Ihnen Gesundheit, Wohlergehen und Erfolg in allem! Danke, dass Sie mich nicht vergessen …! Und wie finden Sie uns nur immer? Sie können sich nicht vorstellen, wie schön es in meinem fortgeschrittenen Alter ist, wenn man das Gefühl hat, nicht vergessen zu sein. Hier in der Heimat denken sie nicht immer an uns. Aber Sie immer! Man könnte denken, was kümmern wir Sie? Wir sind schon alt, ich bin 90 Jahre alt geworden. Ich möchte so gerne noch leben; Gott sei Dank lebt meine Frau noch, sie ist 87 Jahre alt. Sie ist ehemalige Zwangsarbeiterin, im Krieg war sie in Bremen, während ich in Hamburg im KZ [Stalag] war.

So war meine Zeit als Soldat: 1940 wurde ich zum Wehrdienst in die Armee einberufen und habe in Tschita gedient. Dann wurden wir in die Mongolei versetzt, ich war Panzerfahrer und -mechaniker. Dann begann der Krieg. In mehreren Transporten wurden wir in die Nähe von Moskau gebracht. Ich weiß noch, dass wir 2–3 Monate unterwegs waren. Rundum wurde bombardiert, immer wieder stand unser Zug, weil die Gleise beschädigt waren. Irgendwann erreichten wir Smolensk. Dort waren schreckliche Gefechte im Gange. Himmel und Erde standen in Flammen, wir wussten nicht mehr, ob es Tag oder Nacht war, überall stand schwarzer Rauch. Wir kämpften um unser Leben.

Wir rückten bis Moskau vor. Bei einem Gefecht wurde mein Panzer abgeschossen, die ganze Besatzung kam ums Leben, dem Kommandeur wurde der Kopf abgerissen, die anderen wurden zerfetzt. Ich aber kroch unter dem Panzer hervor, denn als Fahrer hatte ich ja die Einstiegsluke. Ich hatte eine starke Gehirnerschütterung. Das ist alles, woran ich mich noch erinnern kann, was ich erlebt habe. Natürlich nur in Kürze. So bin ich in Gefangenschaft geraten.

Je älter wir werden, desto schmerzhafter werden die Erinnerungen, schließlich war das unsere Jugend.

Ich möchte Ihnen von dem Unglück erzählen, das uns widerfahren ist. Am 29.10.2012 ist unser Haus abgebrannt, mit dem gesamten Haushalt, den Nebengebäuden und Tieren. Es ist alles verbrannt, wir haben nichts retten können. Wir wären selbst verbrannt, wenn uns nicht unser Nachbar gerettet hätte. Er hat die Tür eingeschlagen und uns herausgeholt. Meine Frau ist gelähmt. Am 27.12. ist unser ältester Sohn gestorben. Es ist eine schlechte Zeit für uns, aber wir versuchen, uns nicht unterkriegen zu lassen.

Ich habe viel geschrieben, bin müde.

Auf Wiedersehen, mit den besten Wünschen.

A. S. Sokolow.

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Wer Herrn Sokolow antworten möchte, möge uns seinen Brief schicken zum Übersetzen und Weiterleiten.

E. Radczuweit.

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