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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

340. Freitagsbrief (vom Februar 2013, aus dem Armenischen von Prof. Dr. Aschot Hayruni, Jerewan).

Sehr geehrter, lieber Herr […],

nehmen Sie bitte meinen herzlichsten Dank für Ihre lieben Spenden an, dank deren ich meine äußerst schwere soziale und gesundheitliche Situation so lange habe überstehen können. Ich finde keine Worte, um Ihnen mein Gefühl des Danks zum Ausdruck bringen zu können… Möge Gott Sie segnen …!

Ich, Lewon Nurbekjan, bin im Januar 1923 im Dorf Ajgeschat des Bezirks Armawir (Armenien) geboren. Am 13. Januar 1942 wurde ich in die Armee einberufen. Unser Regiment kämpfte an der Verteidigungslinie Woronesh-Kursk-Charkow, als es am 22. März in die Einkesselung geriet. Zunächst wurden wir, die Kriegsgefangenen, in einem Dorfstall nahe von Charkow versammelt. Dann brachten die Deutschen uns in das Konzentrationslager von Sluzk [Stalag 326], wo wir 9 Monate blieben. Dort lernten wir die Hölle kennen. Täglich starben hunderte von uns an Hunger, der groben Behandlung und Krankheiten. Wir waren verlaust. Bei spärlicher Nahrung arbeiteten wir täglich über 14 Stunden, und da es unmöglich war, das länger auszuhalten, waren wir immer daran, auf jede mögliche Art und Weise etwas zum Essen zu suchen. Selbst Mäuse und das Fleisch von verendeten Tieren kamen uns als erwünschtes Essen vor. Von dort wurden wir nach Deutschland, ins Lager von Brandenburg [Stalag IIA Neubrandenburg?] geschickt. Etwas später schickte man uns in ein Lager nahe von Straßburg. Ende Mai 1944 wurden wir dann ins Lager bei Bochum gebracht. Von dort kamen wir täglich zur Arbeit in der dortigen Metallfabrik. Es war eine äußerst harte Arbeit. Wir mussten glühende quadratische Eisenstücke, die etwa 2 Meter lang und breit waren, auf Fahrwerken zu den Fabrikwerkzeugen bringen und in einer bestimmten Reihenfolge in diesen Werkzeugen es so einrichten, dass sie die erwünschten Formen erhielten. Dann mussten wir sie zu Sägen bringen, wo andere unserer Kameraden sie zu verschiedenen Größen sägten. Anschließend wurden diese Eisenstangen in die Waggons eingeladen, um irgendwohin transportiert zu werden. Wir mussten dabei häufig die Kernteile der Werkzeuge wechseln, um dadurch unterschiedliche bzw. quadratische, dreieckige, rechteckige und sonstige Produkte zu erhalten. Dort verlor ich zwei Finger meiner linken Hand. Wir arbeiteten unter strenger Bewachung. Während wir zur Arbeit in die Fabrik gingen und dann abends zurückkamen, gab es oft Alarm. Unsere Wächter gingen dann schnell in die Luftschutzkeller, aber uns wurde nicht erlaubt mitzugehen. Wegen dieser Bombardierungen verloren wir mehrere unserer Freunde. Anfangs zählten wir 1400. Nur wenige von ihnen blieben von den Bomben verschont. Am 10. April befreiten uns amerikanische Truppen. Bochum, Essen, Dortmund und auch viele andere Städte waren bereits in Trümmer verwandelt. Im Juni 1945 übergaben die Amerikaner uns den sowjetischen Truppen. Man schickte mich mit anderen Kriegsgefangenen nach Karaganda, wo ich etwa ein Jahr in den dortigen Kohlengruben arbeitete. Erst dann konnte ich wieder nach Hause zurückkommen.

Mit lieben und herzlichsten Grüßen aus Armawir.

Ihr Lewon Nurbekjan den 27. Februar 2013.

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