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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

339. Freitagsbrief (vom März 2009, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Iwan Jefimowitsch Fomenko
Russland
Stawropol.

Ich, Iwan Jefimowitsch Fomenko, wurde am 20.7.1915 in Kugulta im Bezirk Gratschewka, Gebiet Stawropol´, geboren. Am 10.7.1941 wurde ich an die Front einberufen. Ich kämpfte in der 9. Armee, 60. Division, 178. Regiment in der Gegend um Charkow, in Borwinowka und Kramatorowka. Der Oberkommandierende Timoschenko gab den Befehl zur Verlegung unserer Truppen in Richtung Stalingrad. Wir sollten von der Bahnstation Tschirkowo abfahren, was aber nicht gelang, da die Station bereits von deutschen Truppen eingenommen worden war. Das Gleiche betraf die Bahnstation in Kamensk. In der Nähe der Stadt Millerowo geriet ich dann in Gefangenschaft. Am 15.7.1942 brachten sie mich nach Dnepropetrowsk [Stalag 348], dort nahmen sie uns die Armeeuniformen ab und gaben uns Gefangenenkleidung mit Nummern.

Meine Nummer war 12941. Später wurden wir aus Dnepropetrowsk nach Polen gebracht, nach Graz und von dort weiter nach Deutschland, wo wir in Bolchen [Stalag XII F/Z Boulay-Moselle in Lothringen] an der Eisenbahnlinie arbeiten und Schwellen und Schienen verlegen mussten. In Folge der Schwerstarbeit und des Hungers wurde ich so schwach, dass ich einfach umfiel, und ich wurde mit drei anderen, die in der gleichen Verfassung waren wie ich, ins Lazarett gebracht. Einer von ihnen starb noch auf dem Weg, ein weiterer in der gleichen Nacht im Lazarett. Wir kamen ins „schwarze Lager“ [Stalag XII F/Z (XIIG) St. Johannis-Bannberg/Le Ban-Saint-Jean in Lothringen] in die Baracke Nummer 17 (unter den Gefangenen hieß sie die Todesbaracke). Ich traf dort einen Landsmann, er arbeitete im Lager als Sanitäter und sorgte dafür, dass ich aus der Baracke 17 in eine Baracke mit Sanitätern kam. Im März 1943 kam ich zur Arbeit ins Bergwerk Germina [Hermine I] in Neunkirchen. Als das Bergwerk von den Amerikanern bombardiert wurde, wurde ich schwer verletzt. Als ich wieder gehen konnte, schickten sie mich zur Arbeit im Holzlager beim Bergwerk Kulwald. [Kohlwald in Wiebelskirchen].

Die Leute vom Ort nahmen manchmal Gefangene zur Arbeit mit zu sich, zur Hilfe bei der Ernte. Die Bauern, zu denen ich kam, waren sehr gute Menschen und gaben mir immer etwas zu essen. Die Bäuerin hatte zwei Söhne: einer war gefallen, der andere galt als vermisst. Sie weinte immer sehr, wenn sie mich sah, und sagte, dass ihr jüngerer Sohn vielleicht irgendwo wie ich in Gefangenschaft sei. Ich danke ihnen sehr, dass sie mich nicht haben verhungern lassen. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, wie sie hießen.

Am 9. Mai 1945 wurden wir von amerikanischen Truppen befreit. Für manche war der Krieg damit zu Ende, ich aber wurde nach Dsershinsk verschickt zur Arbeit im Betrieb Dsershinsk-Kohle. Erst im Frühjahr 1947 durfte ich nach Hause. Bei dem amerikanischen Bombenangriff hatte ich mir mehrere Verletzungen zugezogen: am rechten Arm (die rechte Hand kann ich nicht bewegen), am linken Bein und ein Splitter im Kopf. Der Invalidenstatus wurde mir aber nicht zugesprochen.

Heute lebe ich in Stawropol´, (Adresse wie oben). Ich lebe bei meinem Enkel, habe keine eigene Wohnung. Mein altes Haus in Gratschewka ist eingestürzt.

Ich danke Ihnen sehr, dass Sie uns einfache Menschen nicht vergessen haben. Außerdem danke ich Ihnen für die 300 Euro, die deutsche Bürger gespendet haben.

Mit vielen Grüßen,

Iwan Jefimowitsch.

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