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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

336. Freitagsbrief (vom März 2009, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Russland
Gebiet Rjasan´
Andrej Iwanowitsch Owodow.

[…]

Ich, Andrej Iwanowitsch Owodow (ehemaliger Kriegsgefangener) möchte Ihnen mitteilen, dass ich Ihren Brief und die humanitäre Hilfe in Höhe von 12 458 Rubel erhalten habe. Ihre Unterstützung kam gerade zur rechten Zeit, denn gesundheitlich geht es mir gerade nicht sehr gut und ich habe mir von dem Geld ein teures Medikament kaufen können, ich hoffe, dass es mir helfen wird. Ich danke Ihnen sehr.

Ich bin sehr froh, dass diese schweren Jahre meiner Jugend nicht vergessen sind. 1939 habe ich im sonnigen Armenien in der Armee gedient, mein Armeedienst verlief sehr gut, die Armenier bewirteten uns mit Weintrauben und Lawasch [armenisches Brot], und alles war wunderbar. Wir warteten schon auf unsere Entlassung, drei Monate hatten wir noch abzuleisten. Aber dann kam der 22.6.1941 und die Deutschen erklärten uns den Krieg. Wir wurden per Schiff von Armenien nach Noworossijsk gebracht, danach auf die Krim, wo ich dann in Gefangenschaft geriet.

Eine Flucht war unmöglich, ringsumher nur Wasser, unsere Soldaten versuchten, zu den Unsrigen hinüber zu schwimmen, aber die Deutschen schossen aus dem Flugzeug auf sie.

Von der Krim wurden wir in die Ukraine gebracht, dort kamen wir hinter Stacheldraht und mussten arbeiten. Die Verpflegung war schrecklich. Die Gefangenen waren sehr geschwächt, viele konnten nicht zur Arbeit gehen, auch ich nicht. Die stark geschwächten Gefangenen wurden auf Bahren zum Sterben in ein halb zerstörtes Haus gebracht, auch mich brachten sie dorthin. Die Sterbenden bekamen Essen, aber sie konnten schon nichts mehr essen und starben. Nur ich starb aus irgendeinem Grund nicht. Eines Tages wurde eine Gruppe zum Abtransport nach Deutschland zusammengestellt, ihnen fehlte noch ein Mann und so wurde ich dazu genommen. Wir wurden in einen Zug geladen, jeder bekam einen Laib schwarzes Brot, das wir sofort aufaßen. Wir hatten nicht die Kraft, uns etwas aufzusparen, solchen Hunger hatten wir.

Wir kamen in ein Übergangslager, in dem wir einen Tag blieben, dann wurden wir zur Arbeit zu Bauern gebracht. Da ich krank und schwach war, wollte mich keiner haben, aber dann fand sich dort ein gutherziger Bauer, der mich mitnahm. Die ersten Tage gab er mir eine leichte Arbeit und ich wurde gut verpflegt, so dass ich natürlich schnell zu Kräften kam. Der Bauer hieß Heinrich S. aus Barenhausen [Barsinghausen?]. Ich bin ihm dafür sehr dankbar.

Dort war ich bis zum Schluss der Gefangenschaft. Wir wurden befreit. Nach der Befreiung diente ich noch zwei weitere Jahre in der Armee.

Heute lebe ich gut. Unsere kluge und geliebte Regierung mit Dmitrij Anatol´jewitsch Medwedjew und Wladimir Wladimirowitsch Putin kümmert sich sehr gut um uns. Ich bekomme eine gute Rente und uns wurde jemand zugeteilt, der uns pflegt. In der heutigen Zeit lebt es sich sehr gut, es ist nur schade, dass uns nur wenig Zeit geblieben ist, ich würde gerne noch ein wenig länger leben.

Ich danke Ihnen nochmals für die finanzielle Unterstützung.

Mit den besten Wünschen,

Andrej Iwanowitsch Owodow.

4.3.2009.

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