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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

328. Freitagsbrief (vom März 2010, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Georgij Aleksejewitsch Gorlow
Russland
Kreis Stawropol.

[Folgebrief].

Guten Tag, sehr geehrter Dmitri Stratievski und alle Mitglieder und Mitarbeiter von „Kontakte“!

Mit großer Freude möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich Ihre Glückwünsche zu Neujahr und zu Weihnachten bekommen habe, und meine Familie und ich danken Ihnen dafür sehr! Als ich Ihre Glückwünsche las, spürte ich Wärme vom deutschen Volk ausgehen. Ohne es zu wollen, wurde ich von Erinnerungen überflutet – wie war ich damals in Deutschland gelandet?!

Ich werde Ihnen ein wenig von meinen Erinnerungen erzählen, auch wenn sie mich traurig stimmen. Im Juli 1943 wurde ich während der Gefechte am Kursker Bogen verwundet und geriet so in Gefangenschaft. Ich und einige weitere Soldaten wurden ins Hinterland gebracht. Von meiner Einheit aber wurde eine Todesbenachrichtigung an meine Familie geschickt. Die Deutschen brachten uns eilig ins Hinterland, denn unsere Armee ging zum Angriff über.

Im Durchgangslager Kalwarija (ich weiß nicht mehr genau, ob das in Litauen oder in Polen war) [Litauen] wurden wir auf den Weitertransport vorbereitet, wir mussten die Oberbekleidung und die Schuhe abgeben, dafür bekamen wir alte deutsche Jacken und Hosen, auf denen mit großen roten Buchstaben „SU“ stand, am Rücken und an den Knien. Außerdem bekamen wir Holzschuhe. So bekleidet wurden wir in Güterwaggons ins tiefste Deutschland transportiert. Zu Beginn der Reise gelang es uns, die Waggontür ein wenig zu öffnen, so dass wir fliehen konnten. Der Zug hielt an, wir wurden entdeckt und brutal verprügelt. Wir mussten uns nackt ausziehen und die Kleidung zu einem anderen Waggon bringen, und dann brachten sie uns so (nackt) zum Lager Aschaffenburg. Anfang 1945 begannen die amerikanischen Truppen dort ihren Angriff und es gelang uns, aus dem Lager zu entkommen. Einige Zeit waren wir bei einem Sammelpunkt in Frankfurt am Main. Von dort brachten uns die Amerikaner in die sowjetische Besatzungszone, wo wir beim Abbau von Betrieben zum Transport nach Russland eingesetzt wurden.

In Russland durchlief ich in einem Reserveregiment die Sonderprüfung und wurde dann in die Reserve entlassen. Im Januar 1946 war ich zu Hause. Bei einer ärztlichen Untersuchung wurde bei mir Lungentuberkulose festgestellt – offene Reaktivierungstuberkulose im fortgeschrittenen Stadium. So bin ich seit April 1946 Invalide des Vaterländischen Krieges.

Jetzt bereitet sich unser Land auf einen Jahrestag vor – 65 Jahre sind seit dem Sieg über Nazi-Deutschland vergangen. Auch bei Ihnen wird dieses Datum begangen, wenn auch auf andere Weise.

Ich wünsche Ihnen Gesundheit, Glück und Erfolg beim Kampf für Frieden und Glück für alle Völker der Erde!

Auf Wiedersehen und mit den besten Grüßen,

Georgij Aleksejewitsch Gorlow.

Meine neue Adresse: […].

****.

Der Erstbrief von Herrn Gorlow wird auf Nachfrage zugestellt..

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