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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

326. Freitagsbrief (vom Mai 2011, aus dem Russischen von Norbert Ehle).

Russland
Gebiet Archangelsk
Bezirk Ust´janskij
Pawel Andrianowitsch Kotow.

Ich wurde am 12. Oktober 1919 im Dorf Strojewskoje geboren. 1939 wurde ich zur Armee einberufen, in die Ukraine,Station Christinowka, im Kiewer Gebiet, zu den Eisenbahntruppen des Innenministeriums. Wir haben Bahnobjekte bewacht, Pumpstationen, Brücken.

Als der Krieg begann, hat man einen Teil der Jungs beim Objekt gelassen, ein anderer Teil wurde an die Front geschickt, die schnell herankam. Nach ein paar Tagen zog ich in den Kampf, in den Fußtruppen. Von Christinowka nach Westen passierten wir die Stationen Gubnik, Wypnjanka, Kotowsk und dann zogen wir uns zurück durch ebendiese Stationen in umgekehrter Richtung.

Als ich das erste Mal in den Kampf zog, hat man uns das Geleit gegeben. Dann marschierten wir durch einen Garten, die Kirschen waren gerade reif, wir stopften sie uns in die Taschen. Später zog ich dann mehr als einmal in den Kampf, ich hatte ein leichtes Maschinengewehr. Einen Monat wohl dauerten die ununterbrochenen Kämpfe, aber dann zeigte es sich – wir waren eingekreist, irgendwo bei Nowaja Zerkow. Wir sind aus der Umzingelung ausgebrochen, aber viele der Unseren wurden getötet, unsere Kompanie erwies sich in der Minderheit, die Mehrzahl war von denen, die sich unter Kämpfen von der unmittelbaren Grenze zurückgezogen hatten.

Wir wurden ungerecht behandelt: Denjenigen, die nicht beweisen konnten, dass sie zum 57. Regiment gehörten (und wir waren aus der 1. Selbständigen Kompanie), wurden die Waffen abgenommen, auch die Beutewaffen, wir schicken euch in ein Städtchen, dort werdet ihr überprüft – sagte man uns.

Dort kamen wir aber niemals an. Die Deutschen hielten unseren Lastwagen an, forderten uns auf, die Waffen abzugeben (aber wir hatten ja schon keine mehr), und wir waren in Gefangenschaft. Wir wurden wiederum fast genau denselben Weg zurückgebracht(mit der Eisenbahn, auf Lastwagen oder auch zu Fuß).

In der Stadt, in die man uns brachte, verhörten uns die Deutschen: „Wer von euren Eltern ist im besetzten Gebiet geblieben?“ Manch einer von den Jungs ging zur Arbeit, sie teilten, was sie mitbrachten: Gemüse, Früchte. Und dann hat eine Gruppe der Jungs – Komarow, Apontschin, Tichonow – sich entschlossen zu fliehen. Ich bin auch mit ihnen geflohen und kam so zum dritten Mal nach Christinowka. Dort hat mich eine Frau – Jekaterina Romanowna Lewizkaja – an Sohnes statt angenommen, bei ihr habe ich mich ein wenig von der Gefangenschaft erholt.

Dann erzählte man mir, dass sich im Dorf Leschtschinowka eine Partisanenabteilung bildet. Die Abteilung organisierte sich unter großer Geheimhaltung, weil es dort keine Wälder gab – Felder und Dörfer, Felder und Dörfer. Eine kurze Zeit waren auch wir dort, gingen zur Eisenbahnlinie, führten mehrere Sprengungen durch (den Sprengstoff bereiteten die Ortsansässigen zu). Wir waren dort bis zum 23. Februar und dann hat uns irgendjemand verraten. Nachts überfielen uns die Deutschen und ich kam noch mal in Gefangenschaft.

Ich kam in das Kohlebergwerk Taissenberg bei München [Pechkohlebergwerk Peißenberg]. Dort gab es auch Fluchtversuche (erfolglose): mit Hunden hat man uns herausgefischt. Dreimal sind wir geflohen. Ich lernte deutsche Bergarbeiter kennen – gute Jungs. Sie wurden an die Front einberufen und sie baten mich um ein Beweisstück, damit sie sich in Gefangenschaft begeben konnten (dass sie keine Faschisten sind). Ich sagte ihnen: habt keine Angst, gebt euch gefangen, Hauptsache ist, dass man keine Papiere bei Euch findet. Und sagt über mich, dass ich, ein gewisser so und so, euch geraten hätte, in Gefangenschaft zu gehen. Es war schon April 1944 und der Krieg ging dem Ende zu.

Und so arbeiteten wir in diesem Bergwerk: Die Deutschen förderten mit dem Abbauhammer die Kohle und wir schaufelten sie auf ein Förderband, von dort gelangte sie in den Förderwagen.

Am 2. Mai 1945 befreiten uns die Amerikaner. 1945–46 habe ich in Deutschland gedient, schon im Osten. Wir haben in Aken [Elbe] Flugzeugwerke demontiert. Das waren große Werke, (5 km x 5 km). Wir haben Turbinen und Elektroturbinen auseinander genommen und die Teile nach Podolsk, bei Moskau, verfrachtet.

Ende 1946 wurde ich im Rang eines Feldwebels demobilisiert. Eigentlich war ich Hauptfeldwebel, jedoch hat man mich einen Rang heruntergestuft, weil ich lange in Gefangenschaft war. Aber das war schon hier im Wehrkommando. Ich kam nach Strojewskoje, ging zum Rono – man schickte mich für ein halbes Jahr zur Arbeit nach Tscherenowo. Im Sommer 1947 habe ich geheiratet. Zusammen mit meiner Frau habe ich bis zur Rente in der Strojewsker Schule gearbeitet (ich war Mathematiklehrer). Außerdem habe ich in der Redaktion der „Udarnaja Brigada“ mitgearbeitet, schrieb Reportagen über die besten Leute, Fabeln, Erzählungen. 1979 bin ich in Rente gegangen..

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