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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

316. Freitagsbrief (vom Oktober 2007, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Russland
Kreis Krasnodar
Aleksej Sacharowitsch Lewuschkin.

[…]

Nun möchte ich Ihnen davon schreiben, was ich noch von meinem Leben in Deutschland weiß. Ich war in Neuburg im Konzentrationslager Rohrenfeld [Arbeitslager Rohrenfels an der Donau] beim Bau eines Flugfeldes, danach in einem landwirtschaftlichen Betrieb. Dann wurde ich krank, hatte eine kruppöse Lungenentzündung und ich kam ins Lazarett für Kriegsgefangene. Da der Oberarzt im Lazarett sehr gut war, kam ich wieder auf die Beine und erhielt eine gute Verpflegung. Aber dann wurde ein anderer zum Oberarzt ernannt und ich bekam meine Diät, also das gute Essen, nicht mehr, stattdessen brachten sie mir zum Mittagessen angefaulte Kartoffeln und Rübensuppe, also schlechtes Essen. Ich war sehr geschwächt und ich wusste, dass ich bei so einer Verpflegung nicht wieder gesund werden würde. Ich werde niemals den deutschen Offizier vergessen, ich hatte gesehen, dass er zum Oberarzt ins Arbeitszimmer gegangen war und beschloss, ihm mein Leid zu klagen. Er sah mich an und erkannte mich, er war einmal ins Lager gekommen und hatte alle Gefangenen antreten lassen und dann hatte er alle gefragt, was für einen Beruf sie haben. Als er zu mir kam und mich nach meinem Beruf fragte, da antwortete ich ihm: Bäcker. Er hatte sich meine Lagernummer 70-49 gemerkt. Am nächsten Tag sah ich ihn durch den Flur des Lazaretts laufen, ich wollte mich bei ihm bedanken, dass ich nun wieder das gute Essen bekam, also die Diät. Als er mich sah, sagte er: Du kommst zu einem Bauern. Am nächsten Tag kam ein Soldat, der mich abholte und zu einem Bauern brachte. Dieser Bauer hat mir das Leben gerettet. Er hieß Kegelsogen [?], er hatte vier Schwestern und eine alte Mutter, der Soldat war noch an der Front, das war im Dezember 1944. Als ich ankam, da führte mich eines der Mädchen, Sofia, in den Kuhstall, wo ich mir Stroh holten sollte, aber sie sagte, ich solle nicht arbeiten. Ich bekam fünfmal am Tag zu essen, kam wieder zu Kräften und als ich mich wieder gesund fühlte, da beschloss ich ihnen zu helfen. Sie hatten 18 Kühe zu versorgen, mussten melken und ausmisten und das war sehr schwer für sie. Ich wollte ihnen helfen, nahm eine Karre, brachte den Mist weg und holte das Futter. Die Mutter bemerkte mich und fragte Sofie, warum sie mich zwingen würde zu arbeiten. Ich ging zu ihr hin und sagte ihr, dass ich schon gesund war und ihnen helfen konnte. Sie sagte: Aber langsam [*] und so arbeitete ich dann, bis die Amerikaner kamen.

Dann wurden wir in ein spezielles Lager gebracht und der deutsche Leiter ordnete an, dass wir alles bekommen sollten, was man brauchte, Lebensmittel, Kleidung etc. Sie behandelten uns sehr gut.

Ich wünsche Ihnen alles Gute, bitte entschuldigen Sie, dass ich so schlecht schreibe, seit meinem Schlaganfall kann ich schlecht schreiben. Ich hoffe, Sie können entziffern, was ich geschrieben habe.

Mit den besten Grüßen,

A. S. Lewuschkin.

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[*] im Original deutsch geschrieben.

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