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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

313. Freitagsbrief (vom Januar 2009, aus dem Russischen von Ganna-Maria Braungardt).

Russland
Kreis Stawropol´
Kislowodsk
Maksim Parfirjewitsch Smeschko.

Sehr geehrte Herren,

liebe Freunde […]!

Ich, Maksim Parfirjewitsch Smeschko, habe Ihren Brief und die von Ihrem Fonds überwiesenen 300 Euro erhalten. Ich lese Ihren Brief und bin Ihnen und allen Mitgliedern Ihres Vereins sehr dankbar dafür, dass Sie an uns Kriegsgefangene denken. Ich geriet im Juli 1941 in der kleinen Stadt Mir in Weißrussland in Gefangenschaft. Wir Kriegsgefangenen wurden alle nach Polen gebracht, in das Lager Nr. 8 [?]. Es bestand aus mehreren Zellen unter freiem Himmel. Wir alle, nur dünn bekleidet und ohne ausreichendes Schuhwerk, zitterten vor Kälte und Hunger. Nachts drängten wir uns eng zusammen, wer noch am Leben war. Manche gruben sich in Erdlöcher ein und wachten nicht mehr auf, starben darin. Wir bekamen kaum zu essen. So lebten wir bis Ende August. Im September bekamen wir alle eine Nummer und wurden nach Deutschland gebracht. Dort erhielten wir Kleidung und Schuhe, dann ging es wieder ins Lager. Im Oktober wurden 80 Personen von uns ausgewählt und in den Ort Wünsdorf gebracht. In der Nähe waren Kläranlagen, die zum Kanalisationssystem von Berlin gehörten. Wir arbeiteten auf Gemüsefeldern. Ende November 1942 wurden 10 Personen von uns von Lager zu Lager transportiert. Im Dezember wurden 100 Personen ausgewählt und auf die Zeche Theodor in Altendorf in der Nähe von Essen gebracht. In der Grube arbeiteten bereits andere Kriegsgefangene; wir wohnten in Baracken.

Unser Tagesablauf sah so aus: Aufstehen um 4:00 Uhr morgens, zum Frühstück eine Kelle Suppe, dann unter Bewachung zur Zeche, dort erhielten wir ein Stück Brot und fuhren in den Schacht ein. Ich kam an einen Schacht, in eine Brigade von 10 Personen. Der Schichtleiter erklärte uns, was wir tun sollten, und wir arbeiteten bis zum Abend. Nach der Arbeit ging es wieder ins Lager. Zum Abendessen eine Kelle Flüssiges – und das Tag für Tag. Manchmal fuhren viele Männer ein, doch von Tag zu Tag fuhren weniger wieder aus. Viele starben im Schacht. Das Leben von uns Gefangenen hing von dem Bergmann ab, dem wir zugeteilt waren. Ich hatte großes Glück, mit mir arbeitete ein wunderbarer, gütiger Mensch namens Hans, ein Deutscher. Wir bekamen jeder ein Stück Seife, ich überließ ihm meins, und er brachte mir dafür ein Stück Brot; dank ihm habe ich überlebt.

Ich denke stets mit Dankbarkeit im Herzen an ihn. Ich arbeitete, so gut ich konnte, so weit meine Kräfte reichten. Alle Befehle erfüllte ich gewissenhaft. Ich habe gesehen, wie in Ihrem Land die Witwen und Kinder litten, genau wie in Russland. Ende März 1945 wurden wir um 3 Uhr nachts unter Bewachung zusammengeholt und weiter nach Deutschland hinein getrieben. Dann verließen uns unsere Bewacher, und wir wurden von amerikanischen Truppen befreit, dort blieben wir 10 Tage. Dann kamen wir alle in ein Lager in Paderborn [Stukenbrock], die Stadt gab es nicht mehr, nur noch Ruinen. An einem Ort standen drei Gebäude mit Kriegsgefangenen, es waren sehr viele, mehrere Tausend, alle ausgezehrt und krank. Wir bekamen Kleidung, Schuhe und normales Essen. Bald darauf wurden wir alle in ein Lager der englischen Truppen überführt. Im August 1945 wurden wir alle an die sowjetischen Truppen übergeben. Im Lager überprüfte man unsere Papiere, ich wurde einem Artillerieregiment zugeteilt, wo ich bis Mai 1946 diente. Nach dem Dienst wurde ich in meine Heimatstadt Kislowodsk entlassen. Ich war 29 Jahre alt. Meine jungen Jahre hatte ich unter schlimmsten Bedingungen zugebracht.

1948 habe ich geheiratet, ich habe zwei Kinder, vier Enkelinnen, 5 Urenkel.

Ich bin krankheitsbedingt Invalide der 2. Gruppe. Ich bekomme 10 Tausend Rubel Rente [280 Euro]. Am 12.08.2009 werde ich 90 – mein Jubiläum.

Meine ganze Familie hat Ihnen und den Mitgliedern Ihres Vereins Glückwünsche zum Neuen Jahr 2009 gesandt. Wir wünschen Ihnen Gesundheit, Wohlergehen und Glück in der Familie.

Ich danke Ihnen für die Erinnerung an uns.

Hochachtungsvoll.

Maxim Parfirjewitsh Smeschko.

Kislowodsk, 23. Februar 2009.

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