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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

312. Freitagsbrief (vom Januar 2012, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Aleksandr Michajlowitsch Aronow
Ukraine
Drushkiwka
Gebiet Donezk.

Sehr geehrte Mitarbeiter der deutschen Kontaktgruppe für ehemalige kriegsgefangene sowjetische Soldaten während des Großen Vaterländischen Krieges von 1941–45!

Ich wünsche Ihnen und dem ganzen deutschen Volk ein frohes neues Jahr 2012! Ich wünsche Ihnen beste Gesundheit und alles Gute im Leben und bei der Arbeit!

Hiermit möchte ich bestätigen, dass ich Ihre materielle Unterstützung in vollem Umfang erhalten habe. Ich danke Ihnen sehr für die Hilfe und Anteilnahme.

Es stimmt, ich habe während des Krieges Unmenschliches durchlebt, vor allem im Lager für Kriegsgefangene in Sytschewka im Gebiet Smolensk. In diesem Lager herrschten wahrhaft unmenschliche Lebensbedingungen. Schmutz, Seuchen, Hunger. Man behandelte uns wie Tiere.

Ich glaube, dass ich diese schwere Prüfung nur mit Gottes Hilfe überleben konnte, und dank meiner vielen Gebete zu meiner Mutter Sinaida Jermolajewna, Gott hab sie selig.

Nach der Befreiung und Rückführung in die Heimat wurde ich wieder schweren Prüfungen unterzogen, während der staatlichen Untersuchungen hinter Stacheldraht im Filtrationslager. Sie unterzogen uns einem peinlichen Verhör und die Ermittlungsoffiziere der Spionageabwehr „SMERSH“ hielten alle unsere Aussagen auf Papier fest.

Diese Überprüfung hinter Stacheldraht dauerte bis zum 1.11.1946, dann ließen sie uns gehen, aber nicht ganz. Sie machten uns den „Vorschlag“, gleich hier in den Uranbergwerken zu arbeiten und erlaubten uns, unsere Familien nachzuholen oder zu heiraten.

Die Verpflegung und die Versorgung wurden nun besser. In fünf Jahren haben wir eine Kleinstadt mit zweistöckigen Häusern aufgebaut, die Erdbeben von der Stärke acht standhalten.

Als es uns endlich möglich war, kündigte ich sofort meine Arbeit, verließ Mittelasien und zog nach Saratow, wo ich schnell eine Arbeit fand. Ich bekam ein Armeebuch und nach einem Monat Arbeit ein Zimmer in einem Wohnheim. Das war im Jahr 1954. Ich wollte so gerne noch an der Universität studieren. Dazu kam es aber erst viel später, in den 60er Jahren.

In der Sowjetunion war es sehr schwer, eine gute Wohnung zu bekommen. Deshalb bin ich 1978 in den Ort Drushkowka gezogen, wo ich bereits nach zwei Jahren Arbeit eine Wohnung in einem neunstöckigen Haus bekommen habe.

Ich habe zwei Töchter, einen Enkel und zwei Enkelinnen mit Familie, die mir schon fünf Urenkel geschenkt haben.

1983 bin ich in Rente gegangen, habe aber Schach gelernt und viele Abende mit meinen Kumpels Schach gespielt, denn ganz in meiner Nähe gab es einen Schachklub.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion hat sich vieles geändert und den Menschen stand der Sinn nicht mehr nach Schach und anderen Vergnügungen. So habe ich mich in den letzten 15 Jahren der Heiligen Schrift und Gottes Wort gewidmet.

Wie Sie sehen, habe ich eine furchtbare Schrift, was daran liegt, dass ich schlecht sehe. Nach einer Augenoperation habe ich nur noch 9% Sehkraft (0,1 und 0,08). Entschuldigen Sie also bitte meine schlechte Schrift. Ich schreibe mit einer Lupe vor dem rechten Auge.

Ich möchte vor Ihnen keine Werbung für meine Biografie machen. Ich brauche keine Werbung.

Zum Abschluss meines Briefes möchte ich den Bürgern der Bundesrepublik Deutschland von ganzem Herzen beste Gesundheit und privates wie berufliches Glück wünschen, Freude, Wohlergehen und alles, alles Gute.

Mit den besten Grüßen,

Aleksandr Michajlowitsch.

03.01.12.

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