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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

310. Freitagsbrief (vom Februar 2010, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Russland
Gebiet Saratow
Aleksej Michailowitsch Mischanin.

Guten Tag, liebe Freunde!

Wir möchten Ihnen im Namen von Aleksej Michailowitsch Mischanin von ganzem Herzen für die moralische und finanzielle Unterstützung danken.

Ich danke Ihnen sehr, dass wenigstens Sie uns Alte und Schwache nicht vergessen haben. Wir hatten ein sehr schweres Leben und mussten sehr viel schreckliches und unmenschliches Leid durchstehen. Jetzt bin ich fast 90 Jahre alt und seit acht Jahren bin ich ans Bett gefesselt. Ich möchte Ihnen ein wenig von meinem beinahe vergangenen Leben erzählen.

Für unser Vaterland waren wir keine Helden, es war uns nicht vergönnt, Heldentaten zu vollbringen und unser Vaterland zu verteidigen, aber wir haben unser Vaterland sehr geliebt, genauso sehr wie die Helden.

Ich wurde mit 20 Jahren in die Armee einberufen, wir waren junge und unausgebildete Soldaten und bald schon begann der Krieg. Ich diente in einem Panzerregiment und im August 1941 wurde unser Regiment eingeschlossen und wir gerieten in Gefangenschaft. Daran zurück zu denken, ist für mich sehr schwer und schmerzhaft. Ich war erst in drei verschiedenen Konzentrationslagern [Kriegsgefangenenlagern], dann deportierten sie uns nach Deutschland. In Deutschland war ich auch in einem Lager für Kriegsgefangene. Von zwanzig Leuten hat dort nur einer überlebt, wir mussten den Hunger, die Kälte und die Schläge überstehen. Es gab unter den Deutschen aber auch gute Menschen. Die einfachen Bürger versuchten, so gut sie konnten, uns vor dem Tod zu bewahren, manche gaben uns ein wenig Essen, andere Kleidung. Wir mussten 18–20 Stunden am Tag arbeiten, aber dank dieser guten und mitfühlenden Menschen haben wir wie durch ein Wunder überlebt, und dafür sind wir ihnen sehr dankbar.

Für Ihre jetzige Anteilnahme und Hilfe bin ich doppelt dankbar. Denn für mein Vaterland war ich kein Held, obwohl ich genauso viel Leid und Strapazen habe durchmachen müssen.

Nach der Rückkehr nach Hause habe ich im Bergwerk gearbeitet, dann wurde ich rehabilitiert. Danach habe ich noch bis zum Alter von 70 Jahren weitergearbeitet.

Ich danke Ihnen nochmals sehr für die moralische und finanzielle Unterstützung. [….]

Mit den aufrichtigsten Wünschen,

Aleksej Michailowitsch Mischanin.

Ich habe Galina Nikolajewna Mischanina diesen Brief diktiert, sie hat ihn für mich aufgeschrieben.

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