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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

308. Freitagsbrief (vom September 2010, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Pawel S. Sorokin
Russland
Komsomolskoje
Republik Tschuwaschien.

Guten Tag, […]!

Ich habe Ihren Brief bekommen, danke. Ich danke Ihnen aufrichtig für Ihre Anteilnahme am Schicksal der ehemaligen Kriegsgefangenen Nazi-Deutschlands. Ihnen und den deutschen Bürgern Vielen Dank, dass Sie versuchen, die Häftlinge der Nazi-Konzentrationslager finanziell zu unterstützen.

Für mich ist das Geld nicht so wichtig als vielmehr Ihr Interesse an uns, die in der Gefangenschaft gelitten haben.

In der Gefangenschaft waren wir keine Menschen, sie behandelten uns schlechter als Vieh. An Unterernährung, Kälte und den unbeschreiblich schlechten Lebensbedingungen starben viele von uns, schafften es nicht.

Kurz zu mir. Ich bin im Juni 1942 in Sewastopol in Gefangenschaft geraten, da ich während eines Bombenangriffs verwundet worden war. Nach ein paar Tagen brachten sie uns in ein Lager für Kriegsgefangene in Bachtschissaraj ein Lager unter freiem Himmel, umzäunt von Stacheldraht. Nach anderthalb Monaten überführten sie uns nach Simferopol [Dulag 241], dort war das Lager in einem ehemaligen, kaputten Getreidespeicher. Zu Essen bekamen wir Rübenbrot (wie Teig), einen Laib für acht Personen. Warmes Essen gab es keines. Später, nach etwa zwei Monaten, wurden wir nach Kriwoj Rog [Stalag 338] überführt. Das Lager befand sich in der Garage eines Autowerks. Die Verpflegung war die gleiche, kein warmes Essen. Dieses Lager war ein Arbeitslager. Aber ich war so abgemagert, dass ich nicht arbeiten konnte. Im Dezember 1942 kamen wir ins Lager Nr. 11 B [Fallingbostel] in Deutschland. Vorher hatten wir uns ein halbes Jahr lang nicht gewaschen und waren völlig verlaust. Nun brachten sie uns zum Waschen. Dort bekamen wir auch warmes Essen Balanda aus Rüben.

Nach vierzig Tagen Quarantäne brachten sie uns in ein Arbeitslager in Münster (bei den Ortsnamen bin ich mir nicht sicher). In diesem Lager waren Russen und Polen, der Lagerleiter war ein Pan [poln. Herr] Schikolskij. Ich war sehr geschwächt und konnte nicht arbeiten. Mir und einem weiteren Kameraden warfen sie Arbeitsverweigerung vor und Auflehnen gegen deutsche Ordnung und deutsches Gesetz. Wir bekamen 21 Tage strenge Einzelhaft und wurden dann in ein Straflager gebracht. In der Haft bekamen wir am Tag 300 g Rübenbrot und ein Glas Wasser. Nach sechs Monaten im Straflager kam ich wieder zurück ins Lager Nr. 11 B. Nach vierzig Tagen Quarantäne brachten sie mich in ein Arbeitslager in Grossmund, es befand sich in einem ehemaligen Schweinestall.

Von dort wurden wir an verschiedene Orte gebracht. Ich kam zu einem reichen Deutschen, für den ich arbeiten musste. Aber ich war nicht in der Lage zu arbeiten. Da gab mir der Deutsche mehr Essen. Langsam kam ich wieder zu Kräften.

Im April 1945 wurden wir von englischen Truppen befreit. Dann wurde, je nach Wunsch und Entscheidung, ein Teil der Kriegsgefangenen an das 31. Regiment der Roten Armee übergeben. Ich kam nach der Überprüfung zu einer selbstständigen Bewachungs-Kompanie. 1947 kehrte ich aus Deutschland zurück.

Ich habe bis zur Rente als Installateur fürs Fernmeldeamt gearbeitet.

P. S. Sorokin.

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