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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

297. Freitagsbrief (vom Mai 2012, aus dem Armenischen von Dr. Aschot Hayruni).

Hambarzum Manukjan
Arsakan
Armenien.

[…] Nachstehend versuche ich, Ihnen kurz über meine Kriegsgefangenschaft zu berichten: Ich, Hambarzum Manukjan, bin im Jahr 1921 im Dorf Arsakan (Bezirk Kotajk, Armenien) geboren. Am 10. Juni 1941 in die Armee einberufen, habe ich schon ab 25. Juni an den Kriegshandlungen teilgenommen. Am 4. August 1941 wurde ich bei einer schweren verzweifelten Schlacht in der Nähe von Perwomajsk an der rechten Schulter verwundet. Wir waren bereits eingekesselt, und kurz danach geriet ich neben meinen anderen Kameraden in die Gefangenschaft. Die Deutschen brachten mich in das Konzentrationslager von Kirowograd [Stalag 305], und einige Monate später wurde ich in das Lager der Stadt Drobitsch [Stalag 325Z Drogobytsch] geschickt. Erst in diesen Lagern konnte ich erkennen, was Menschenleiden eigentlich bedeuteten. Unseren Alltag bildeten neben der schweren Zwangsarbeit die sehr grobe Behandlung und der Hunger, dem täglich zahlreiche Gefangene zum Opfer fielen. Wir waren verlaust, arbeiteten täglich etwa 15 Stunden, während man uns pro Tag nur ein Töpfchen Flüssigkeit namens Balanda und etwa 100 Gramm hartes Brot gab. Wir mussten öfters selbst unsere Kleidungen als Trage für den Schutt nehmen, denn wer wegen des Fehlens der notwendigen Werkzeuge nicht arbeitete, musste als „Faulenzer“ mit den schlimmsten Folgen rechnen. In der ganzen Umgebung unseres Lagers war kaum etwas Grünes zu finden, denn alles war aufgegessen. Im Frühjahr 1943 wurde ich nach Deutschland in ein Lager bei Aachen geschickt, wo ich ebenso verschiedene Arbeiten machte. Nach etwa einem Jahr schickte man mich nach Holland in ein Lager bei Utrecht, wo ich hauptsächlich beim Straßenbau arbeitete. Aus der Gefangenschaft bin ich am 5. Mai 1945 von englischen Truppen befreit worden, die mich dann den sowjetischen Truppen übergaben. 1946 kam ich in die Heimat zurück. Kaum hatte ich aber eine Familie gebildet, als die sowjetischen Behörden mich im Jahr 1948 unter dem Vorwurf dass ich Kriegsgefangener gewesen sei, festnahmen und nach Sibirien deportierten. Dort waren die Verhältnisse nicht leichter als die in der Kriegsgefangenschaft, aber es gelang mir durch Gottes Fügung, auch diese Deportation zu überleben. Ich kam erst 1954 wieder in die Heimat zurück, und wohne seitdem in meinem Heimatdorf.

Mit herzlichsten Grüßen

Hambarzum Manukjan.

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