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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

294. Freitagsbrief (vom April 2012, aus dem Russischen von Dr. Martin Creutzburg).

Ein Brief an unsere Kiewer Partnerorganisation, die Gesellschaftliche Vereinigung „Verständigung und Toleranz“ (Vor der Auszahlung einer Spende des Bürger-Engagements für vergessene NS-Opfer muss die Kriegsgefangenschaft durch Dokumente und eine Kurzbeschreibung der Gefangenschaft belegt werden. Herr Sharanow erhielt nach Prüfung seiner Unterlagen 300 € als Geste der Anerkennung sowie dringend benötigte Medikamente.)

Erinnerungen an die Zeit der Gefangenschaft vom ehemaligen Kriegsgefangenen Iwan Iwanowitsch Sharanow , geb. am 28.08.1921 in Rowno, Ukraine

Ich, Sharanow Iwan Iwanowitsch, wurde in der Stadt Ostaschkow, Gebiet Kalinin, wo ich seit 1937 bis Oktober 1940 am finanz-ökonomischen Technikum studierte, in die Armee eingezogen. Zum Dienst wurde ich nach Kronstadt, Leningrader Gebiet, geschickt. Aus Kronstadt wurde ich in die Marinebasis Libau (Lettland) versetzt. Diente dort als Schreiber beim Stab der Basis bis zum Kriegsbeginn. Im Juli 1941 begannen die Deutschen den Angriff auf Libau, es gab erbitterte Kämpfe, an denen ich teilnahm. Aber unsere Truppen begannen den Rückzug und im Juli 1941 eroberten die Deutschen Libau, und alle am Leben gebliebenen sowjetischen Militärangehörigen wurden gefangen genommen und in die Stadt Dwinsk (Lettland) überführt, wo es ein Kriegsgefangenenlager gab [Stalag 340 Dünaburg]. In diesem Lager war ich bis 1943. 1944 begannen die Deutschen, die Kriegsgefangenen in Etappen nach Deutschland zu schicken, da sich unsere Truppen Lettland näherten. In Deutschland kam ich in ein Kriegsgefangenenlager in Dortmund [Stalag VI D]. Hier lebten wir in Baracken, wurden sehr schlecht versorgt, und den ganzen Tag arbeiteten wir unter Bewachung an der Trümmerbeseitigung der von der [anglo-]amerikanischen Luftwaffe zerbombten Häuser. Neben dem Lager war ein deutscher Flugplatz, dorthin wurden die Gefangenen auch zu verschiedenen Arbeiten gejagt. Unter uns war ein Militärpilot und einmal hat eine Gruppe Gefangener, unter denen auch ich war, versucht, ein deutsches Flugzeug zu entführen. Aber dieser Versuch glückte nicht, weil die Deutschen bemerkten, dass die Gefangenen etwas vorhaben. Wir wurden in ein anderes Lager gebracht. In Dortmund war ich bis 1945, als Deutschland von uns und auch den Amerikanern, die unsere Verbündeten waren, befreit wurde. Das Lager, in dem ich war, wurde von den Amerikanern befreit und ich wurde in ein Lager nach Köln geschickt, wo nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch Zivilisten waren, die während des Krieges in Gefangenschaft nach Deutschland gerieten. Hier machte ich die Bekanntschaft meiner zukünftigen Frau, die während des Krieges aus dem Charkower Gebiet, der Stadt Lozowaja, nach Deutschland gejagt wurde. Aus Köln wurden wir in ein Überprüfungslager in eine andere deutsche Stadt gebracht. ( An den Namen erinnere ich mich nicht mehr) Von dort haben uns unsere Russen, im August 1945, nach Russland geschickt in die 863. Abteilung einer Flak-Artillerie-Division als Auszubildende. Dort war ich bis Mai 1946 und wurde demobilisiert zur Wiederherstellung der zerstörten Volkswirtschaft und in das Oktober - Militärkreiskommando des Gebiets Velikije Luki zur Registrierung zum Militärdienst geschickt. Ich habe staatliche Auszeichnungen. Dienstgrad Oberstleutnant.

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