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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

291. Freitagsbrief (vom September 2005, aus dem Russischen von Karin Ruppelt).

Iwan Anisimowitsch Maksimtschenko
Ukraine
Donezker Gebiet.

Am 18. Februar 2006 habe ich Geburtstag, schreibt mir ein paar Worte, die werden für mich sein, als wären sie von Mama. Ich achte Sie, Sie sind klug.

Ja, ich musste deutsches Brot essen, das die Hunde nicht gefressen hätten. Was ist das für ein Brot, wenn die leeren Maiskolben zu Mehl gemahlen werden, dazu kommt etwas von irgend einem anderen Mehl, das einem in der Kehle kleben blieb, ja, das haben wir gegessen, und gefrorene Kartoffeln haben wir auch ausgerissen und gegessen – was soll man machen, wenn der Hunger einen zwingt, was soll man machen, das ist der Krieg, und man möchte doch leben.

Wir wurden vom Ort der Gefangennahme zu einem anderen Ort gejagt, die nicht mehr konnten, fielen hin und wurden von den Hunden zerrissen oder erschossen, und die Deutschen schlugen. Andere Deutsche taten uns nichts besonderes. Sie wollten nicht an die vorderste Linie und jagten uns dahin in den Wald zum Holz sägen und boten einmal ein Gewehr zum Schutz an, aber niemand wollte das Gewehr haben. Da gaben sie jedem ein Stückchen essbares Brot [als Anreiz].

Gegen Ende des Kriegs schlossen sie uns in einen Schuppen ein, da war Stroh, wir schauten durch einen Schlitz und sagten: die Deutschen wühlen in ihren Sachen, und sie brachten einen halben Laib Brot auf das Feld und Zigaretten und selbst gingen sie weg. Morgens schloss der Besitzer auf und ließ uns heraus. Wir kamen heraus und gingen in Richtung der Sonne und schrien: „Hurra, der Krieg ist aus!“. Tatsächlich haben uns die Amerikaner befreit.

Auf Wiedersehen, bleiben Sie gesund, Opa Iwan.

2. Seite

Guten Tag, sehr geehrte mitfühlende Menschen wie Dr. Hilde Schramm, Eberhard Radczuweit und Ihre vielen Helfer und den Menschen, die für uns Gefangene Geld gespendet haben. Vielen Dank für Ihr Geschenk. Solange ich lebe, werde ich es nie vergessen. Schade, dass ich nicht mehr lange zu leben habe. Sehr geehrte Hilde Schramm, wenn Sie diese Leute treffen, bitte danken Sie ihnen für die Hilfe; vielen Dank von mir.

Ich bekam am 14. September Geld von Ihnen. Ich hätte fast vor Freude losgeweint.

Bleiben Sie gesund und freuen Sie sich ewig des Lebens. Ich finde natürlich Ihre vernünftigen Gedanken gut und mir gefällt die Idee, dass unsere Völker sich näher kennen sollten, ich wohne bei meiner Tochter und helfe ihr, wo ich kann. Solange ich lebe, habe ich nie eine solche Obsternte gesehen, wie in diesem Jahr. Es gibt Unmengen von Äpfeln, unter dem Apfelbaum ist alles voll davon, und solche großen und schmackhaften, der Wein trägt auch viel, die Kartoffeln auch, und die [Sonnenblumen]-Kerne sind 2–3 Meter hoch, es regnet oft. Ich bin mit Ihren Gedanken einverstanden, aber ich sehe sehr schlecht,das eine Auge sieht nichts und das andere Auge sieht schlecht. Na tschüss/Auf fiedersejn./

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Zur Übersetzung: Die Originalhandschrift ist ohne Punkt und Komma, alle Verben stehen im Infinitiv.

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