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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

286. Freitagsbrief (vom Februar 2012, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Jewgraf Nikolajewitsch Korotkow
Ukraine
Donezk.

Guten Tag, liebe Mitglieder des Vereins „Kontakte“, Jewgraf Nikolajewitsch sendet Ihnen beste Grüße und wünscht Ihnen alles, alles Gute bei Ihren Projekten und im Privatleben.

Sie haben Recht, in der Gefangenschaft haben wir wahrhaft Unmenschliches durchmachen müssen.

Ich bin am 15.7.1942 in Belyj im Gebiet Kalinin in Gefangenschaft geraten. Ich wurde nach Riga gebracht, wo ich im Motorenwerk Adam Opel in einem Arbeitskommando gearbeitet habe. Wir arbeiteten von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends, Essen gab es nur einmal am Tag. Dann wurde das Werk nach Pillau evakuiert. Beim Ausladen der Geräte brach ich mir den Arm. Ich wurde am Arm operiert und hatte gleich noch eine Blinddarmoperation, lag insgesamt einen Monat im Lazarett. Danach brachten sie mich nach Nürnberg, dort habe ich bei der Versorgungstelle beim Gemüseanbau gearbeitet, aber nicht lange. Von dort kam ich nach Trier, wo ich an der Bahnlinie gearbeitet habe. Im Februar 1943 brachten sie mich nach Baranowitschi [? wahrscheinlich Schreibfehler], wo mir meine Holzschuhe geklaut wurden. Ich beschwerte mich bei einem der Polizaj [*], aber er unternahm nichts und ich musste zwei Tage nur mit Fußlappen an den Füßen durch den Schnee zur Arbeit laufen. An der Baustelle bemerkte ein Deutscher, dass ich barfuß war, er nahm mich mit zum Materiallager und ließ mich ein neues Paar Holzschuhe aussuchen; er hatte also Mitleid mit mir, dem Kriegsgefangenen.

Dann brachten sie uns nach Limburg in ein KZ [Stalag XII F]. Aus diesem Lager wurden wir dann von den Amerikanern befreit, die uns an die Russen übergaben. Dann machten wir uns zu Fuß auf den Weg nach Russland. In Russland wurden wir geteilt – ein Teil von uns wurde nach Sibirien verschickt, die andere Hälfte, darunter ich, kam ins Donezbecken, wo wir die Bergwerke wieder aufbauen mussten. Ich habe 28 Jahre lang im Bergwerk gearbeitet. Jetzt bin ich 88 Jahre alt und befinde mich im verdienten Ruhestand.

Ich danke Ihnen und den deutschen Bürgern, die den ehemaligen sowjetischen Kriegsgefangenen Respekt entgegenbringen. Vielen Dank auch für die finanzielle Unterstützung in Höhe von 300 Euro.

Mit freundlichen Grüßen,

Jewgraf Nikolajewitsch.

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[*] „Polizaj“ = Die Wehrmacht rekrutierte in den Lagern Kollaborateure als Hilfspolizisten.

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