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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

277. Freitagsbrief (vom März 2009, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Russland
Kreis Stawropol
Georgij Aleksejewitsch Kosolapow.

[…] Bitte entschuldigen Sie, dass ich so spät antworte (aber besser spät als nie). […] Es fällt mir heute sehr schwer, an diese furchtbare Zeit zurückzudenken. Die ganze Zeit drohte uns der Hungertod. Aber Gott hat uns davor bewahrt. Vieles ist dort vorgefallen, und von einem Zwischenfall möchte ich Ihnen erzählen. Ich arbeitete damals in einem Steinbruch der Firma Rei [?]. Eines Tages ging ich nach der Mittagspause gerade an meinen Arbeitsplatz zurück undlief dabei einen anderen Pfad entlang. Der Großchef bemerkte, dass ich nicht auf dem richtigen Pfad ging und rief: Warum gehst du dort? Ich verstand ihn nicht richtig und ging weiter. Da stieß er mich und ich fiel zu Boden, er nahm ein Brett und schlug mit der flachen Seite auf mich ein. Ich sagte Danke, Danke, da warf er das Brett hin, sagte „Was Danke?“ und rief den Dolmetscher heran und fragte ihn. Ich erklärte ihnen, dass ich mich bedankt hatte, weil er mich mit der flachen Seite des Brettes geschlagen hätte und nicht mit der Kante. Er lachte laut, stieß mich mit dem Fuß und sagte „Aufstehen und komm“. Dann ging er weg und ich wurde ins Lagerlazarett gebracht, weil meine Hand gebrochen war.

Aber nun genug von der Vergangenheit, sie ist zu traurig. Mögen die heutigen und zukünftigen Generationen niemals die Schrecken des Krieges erleben. Auf der ganzen Erde sollen Friede und Freundschaft herrschen. […]

Mit vielen Grüßen und einer tiefen Verbeugung vor Ihnen.

Georgij Aleksejewitsch.

Ich konnte den Brief nicht gleich abschicken, ich hatte niemanden, der mir die Adresse auf Deutsch schreiben konnte. Entschuldigen Sie bitte!

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Kursiv im Original Deutsch [Anm. d. Übs.].

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