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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

271. Freitagsbrief (vom August 2005).

Belarus 231430
Gebiet Grodno
g.p. Korelitschi
Boris Iwanowitsch Bukrej.

[…] Wir bedanken uns bei Ihnen für Ihre Sorgen um ältere Menschen, Kriegsteilnehmer und Kriegsgefangene.

Es schreiben Ihnen die Verwandten von Bukrej B. I. Unser Großvater, der 91 Jahre alt ist, bittet uns, über einige Kapitel seines Lebens zu erzählen.

Ich wurde im Jahre 1941 bei Leningrad gefangen genommen. Die Gefangenen wurden zu Fuß nach Riga [Stalag 350] getrieben. Von Riga fuhren wir mit dem Zug nach Deutschland, nach Bielefeld [wahrscheinlich über Stalag 326 Stukenbrock]. Hier arbeitete ich in einem Militärwerk, das die Ausrüstung für Befestigungsanlagen produzierte. Ich war dort drei Jahre lang beschäftigt. Nach der Verschlechterung der Gesundheit wurde ich bei einem Bauer eingesetzt.

Während der Gefangenschaft wurden wir ständig geschlagen, erniedrigt. Es gab fast kein Essen, nur gefrorene Steckrüben. Täglich starben im KZ einhundert bis zweihundert Menschen, vor allem wegen Kälte und Unterernährung. Wir lebten in Baracken, arbeiteten zwölf Stunden am Tag. Ich habe nur dadurch überlebt, dass ich gesund und kräftig war sowie keine schlechten Gewohnheiten hatte. Ich habe, ehrlich gesagt, nie damit gerechnet, dass ich überlebe, das Lager verlasse und nach Hause zurückkehre. Man kann nicht einfach sagen „Die Gefangenschaft war schwer!“ Damit sagt man nichts. Ich kann nicht begreifen, warum ein Mensch einen anderen so quält. Die Arbeit war hart. Die Werkmeister haben uns nicht nur einmal zusammengeschlagen. Einmal flüchteten zwei Arbeiter vom Betriebsgelände. Sie wurden verhaftet und zurückgeführt. Die Meister begannen die Flüchtlinge in Anwesenheit aller Arbeiter zu schlagen. Das sahen die Wächter, die uns zur Arbeit begleiteten. Ein Wächter warf sich für einen Gefangenen in die Bresche. Die Deutschen begannen zu schimpfen. Danach wurden alle Zwangsarbeiter gewogen. Das Gewicht der jungen gefangenen Soldaten lag zwischen 35 und 40 Kilo. Die Wächter haben dann den Meistern verboten, Gefangene zu schlagen. Auch unsere Essenration wurde ein bisschen erhöht.

Meine Lagernummer war 13345. Diese Zahl werde ich nie vergessen. Nach dieser Nummer wurde ich aufgerufen.

Es ist zu schade, es ist bitter, dass nach all diesen Ereignissen, die ich überlebt hatte, uns keine Entschädigung zusteht.

1945 kehrte ich in mein Heimatdorf Okoliza zurück. Dann gründete ich eine Familie und übersiedelte in die Ortschaft Korelitschi. Hier habe ich ein Privathaus gebaut. Meine Ehefrau hatte eine Hochschulausbildung, trug einen Ehrentitel „Verdiente Lehrerin Weißrusslands“. Ich arbeitete in der Bauabteilung der Sowchose „Korelitschi“. 1955 kam mein Sohn in die Welt. 1970 wurde ich schwer krank und bekam nach einer Lungenentzündung die zweite Invaliditätsgruppe. Ich habe aufgehört zu arbeiten und blieb zu Hause. Der Sohn hat die Landwirtschaftliche Hochschule von Grodno beendet und lebt heute mit seiner Familie in Lemberg in der Ukraine. Meine Ehefrau, Anna Nikolajewna, starb 2001. Ich bin allein geblieben. Ich bin heute 91 Jahre alt. Meine Rente ist klein. Ich lebe allein.

Ich bin für Ihren Brief und für die Nachricht über den baldigen Erhalt der Spende sehr dankbar. Ich brauche das Geld für die Behandlung.

Mit besten Wünschen

Burkej Boris Iwanowitsch.

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