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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

270. Freitagsbrief (vom September 2005).

Belarus
Gebiet Mogilew
Kirowsk
Iwan Fedorowitsch Akuschewitsch.

Sehr geehrte Damen und Herren, Mitglieder der Gesellschaft KONTAKTE,

ich habe Ihren Brief erhalten und schreibe Ihrer Bitte entsprechend meine Antwort. Ich, Akuschewitsch Iwan Fedorowitsch, Jahrgang 1917, bin im Jahre 1938 in die Sowjetarmee einberufen worden. Ich diente im 67. Bergkavallerieregiment in der Stadt Fergana (Usbekische Sowjetrepublik). Dort befand ich mich, als der Krieg begann.

Am 15. August 1941 wurde ich im Kampf verletzt. Ohnmächtig wurde ich von den Deutschen gefangen genommen und im Lazarett für Kriegsgefangene Belaja Zerkow [Stalag 334 Ukraine] untergebracht. Nach der Behandlung kam ich nach Polen ins KZ Nr. 333 [Stalag 333 in Ostrow Komerowo]. Die Lebensbedingungen in diesem Lager waren schrecklich: Hunger, Kälte, Krankheiten. Täglich gab es 50 g Brot und eine Balanda. Hunderte Kriegsgefangene starben täglich. Ich wurde typhuskrank. Ein Landsmann hat mich vom Tode errettet. Er fand mich in einem Keller zwischen den Leichen. Meine Füße waren erfroren. Im Lager saßen auch gefangene russische Ärzte. Ein Arzt hat mir Erste Hilfe geleistet, Wunden geheilt und die Zehen bis zum ersten Gelenk amputiert. Ich habe bis heute Schmerzen.

Ende 1942 wurden wir nach Deutschland verschleppt. Wir lebten im Lager Nr. 445 [Arbeitskommando]. Das war in einem Vorort von Köln. Die sowjetischen Kriegsgefangenen haben schwerste Arbeit gemacht. Das war die Sklavenarbeit. Wir lebten im Pferdestall. Als die USA die Zweite Front eröffnete, begannen die Deutschen, unser Lager zu evakuieren. Die Gefangenen wurden mit einer Fähre zum anderen Flussufer gebracht. Die erste Gruppe kam ums Leben, weil die Fähre in der Mitte des Flusses umkippte. Ich gehörte nicht zu dieser Gruppe und blieb am Leben. Alle Schrecken der Gefangenschaft sind unbeschreiblich. Es tut bis heute weh. Es ist schwer, sich daran zu erinnern.

Am 8. April 1945 haben uns die US-Truppen befreit. In der Nachkriegszeit arbeitete ich beim Finanzamt und als Leiter einer Lagerhalle. Im Alter von 69 Jahre ging ich in Rente. Ich bin verheiratet und habe vier Kinder.

Ich möchte Ihrer Gesellschaft im Namen unserer Familie den tiefsten Dank aussprechen. Sie haben uns, Kriegsgefangene und auch gefallene Soldaten, nicht vergessen. Die Kriegsgefangenen haben alle Leiden des Nazi-Regimes erlebt.

Mit besten Wünschen, insbesondere für Ihre Aufklärungsarbeit

Iwan Fedorowitsch Akuschewitsch.

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