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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

268. Freitagsbrief (Juli 2007, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Jewgenij Wasiljewitsch Tyschinskij
Russland
Labinsk
Region Krasnodar.

Sehr geehrte deutsche Freunde!

Ich, Jewgenij Wasiljewtisch Tyschinskij, wurde am 23.4.1923 in der Ukraine geboren. Heute lebe ich in Labinsk, Region Krasnodar. Ich bin ehemaliger Kriegsgefangener. Ich bin am 15.5.1942 bei Kertsch auf der Krim in Gefangenschaft geraten. Am 20.8.1942 war ich schon in Deutschland, im Dorf Cröffelbach, Kreis Gal [Schwäbisch Hall]. Wir waren 22 Gefangene. Auf uns warteten schon die Bauern, deren Söhne an der Front waren. Ich war bei zwei Bauern:

Ich arbeitete drei Tage bei dem einen und drei Tage bei dem anderen. Am Morgen brachte uns ein Soldat zur Arbeit und abends holte er uns wieder ab. Wir lebten bei einem Bauern, bei dem es einen Essraum gab und ein großes Zimmer. Dort hatten sie zweistöckige Betten für uns aufgestellt.

Es war ein kleines Dorf, die Menschen dort waren alle freundlich, sie lebten bescheiden. Wir haben uns richtig angefreundet. Am 11.4.1945 wurden wir von den Amerikanern befreit.

Nach der Rückkehr in die Heimat und nach der staatlichen Überprüfung habe ich am 15.1.1946 angefangen, in der Schule zu arbeiten.

Ich habe geheiratet und wir haben sofort die Tochter der Schwester meiner Frau adoptiert, deren Eltern ums Leben gekommen waren. Außerdem haben wir drei eigene Kinder großgezogen, zwei Söhne und eine Tochter. Jetzt haben wir vier Kinder, elf Enkel und sieben Urenkel. Alle arbeiten bzw. sind in der Ausbildung.

Das Schicksal wollte es so, dass ich jetzt schon das fünfte Jahr alleine bin.

Ich habe eine Verletzung am Bein, ich wurde schon am 1.12.1941 verwundet. Ich bin Invalide zweiten Grades des Großen Vaterländischen Krieges. Ich habe eine Herzrhythmusstörung, kann schlecht hören und sehen, wegen des Herzens spüre ich die Beine nicht gut.

Ich habe zusammen mit Wladimir Aleksejewitsch Kostenko gekämpft, er hat mir Ihren Brief und Ihre Adresse gegeben und ich habe beschlossen, Ihnen zu schreiben.

Ich habe eine große Bitte an Sie. Wenn Sie können, so helfen Sie mir bitte, einen Sanatoriumsaufenthalt in Kislowodsk zu finanzieren, wo ich am Herzen behandelt werden soll. Meine ganze große Familie wird für Sie beten.

Gott gebe Ihnen Gesundheit und ein langes Leben für das gute Werk, das Sie für uns Alte tun.

Mit den besten Grüßen,

Jewgenij Tyschinskij.

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Herr Tyschinskij war einer der ehemaligen Kriegsgefangenen in Russland, die keinen Antrag auf Entschädigung an die EVZ gestellt hatten. Er wurde von uns begünstigt und wir vermittelten den Kontakt zu einer der Familien, für die er gearbeitet hat, und die sich noch gut an ihn erinnern konnte.

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