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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

250. Freitagsbrief (März 2011, aus dem Russischen von Norbert Ehler).

Dmitrij Aleksandrowitsch Jepifanzew
Magnetogorsk
Russland.

Ihnen schreibt Marina Jepifanzewa, die Enkelin des ehemaligen Kriegsgefangenen Dmitrij Aleksandrowitsch Jepifanzew. In seinem Namen möchte ich Ihnen für den warmherzigen Brief und die humanitäre Unterstützung danken und für die wohltätige Arbeit, die Sie vollbringen.

Vielmals hat der Großvater selbst versucht, Ihnen einen Dankesbrief zu schreiben und Kriegserinnerungen mitzuteilen, aber die Versuche endeten mit Herzbeschwerden. Deshalb habe ich beschlossen, ihm zu helfen. Aus seinen Erzählungen habe ich entnommen, dass er bei Kriegsanbruch in einem Baubataillon diente, das in Schaulja [Šiauliai/Lettland] stationiert war. Alle Widrigkeiten des Krieges haben ihn von den ersten Tagen an betroffen. Bei Nowgorodgeriet er in einen Kessel, von dort wurde er ins Todeslager, wie er es nennt, gebracht, das in Sewerodwinsk [Stalag 340 Dünaburg/Daugavpils] war. Wegen seines schwachen Gesundheitszustandes hatte er eine Auswahlüberprüfung zu bestehen: er musste, ohne zu schwanken, über zwei schmale Brettchen von 20 m Länge balancieren. Er hat es geschafft, diejenigen jedoch, die das nicht schafften, wurden erschossen.

Sehr viele bittere Tage hat er in diesem Lager durchlitten. Es schmerzt anzusehen, wie er weint, wenn er sich an diese schrecklichen Tage erinnert.

Eines Tages kamen Einheimische, die Arbeitskräfte brauchten, mit Fuhrwerken ins Lager. Wahrscheinlich benutzte die deutsche Militärführung die örtliche Bevölkerung dazu, die Genesung der Gefangenen für die bevorstehende Deportation nach Deutschland zu unterstützen.

Mein Großvater kam in die Familie der Lettin Elma, an die er sich mit Dankbarkeit erinnert. In der Zeit, die er in ihrer Familie verbrachte, kam er zu Kräften und half sogar bei der Ernte. Im Herbst 1941 kam er wieder ins Konzentrationslager Sewerodwinsk, von wo er nach Herten [bei Recklinghausen] verbracht wurde, in den dortigen Schächten arbeitete er bis Kriegsende.

Er hat viele schreckliche dramatische Augenblicke durchlitten während er in den Schächten arbeitete, er erinnert sich jedoch mit Wärme an die freiwillig angestellten Arbeiter, die auf jegliche Weise versuchten, die Lage der hungernden Zwangsarbeiter zu erleichtern.

Er hat erzählt, dass Deutsche und Polen von Ihren Frühstücksbroten abgaben, weil sie Mitleid mit den Gefangenen hatten, die mit ihnen zusammen waren. Das war für sie lebensgefährlich und wurde deshalb äußerst vorsichtig gemacht. Darin bestanden „Verständigung und Versöhnung“ der einfachen Menschen, die diesen schrecklichen Krieg durchlitten.

Vielen Dank an Sie für die gute Sache, die Sie organisiert haben. Friede und Wohlergehen für Ihren Verein „Kontakte-KOHTAKTbI“.

Hochachtungsvoll

Marina Jepifanzewa.

Ehemaliger Kriegsgefangener
Jepifanzew Dmitrij Aleksandrowitsch.

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