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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

249. Freitagsbrief (vom Juni 2011, aus dem Armenischen von Prof. Dr. Aschot Hayruni).

Artawasd Harutunjan
Armenien.

(…) Da ich von unserem Verein [*] darum gebeten worden bin, meine Geschichte während der Kriegsgefangenschaft aufzuschreiben und Ihnen zu schicken, versuche ich, Ihnen im Folgenden alles, woran ich mich noch erinnere, zu erzählen.

Ich, Artawasd Harutjunjan, bin 1920 im Dorf Ddmaschen, dem Bezirk Sewan, geboren. Im November 1940 bin ich in die Armee einberufen worden, wo ich zunächst im Artillerieregiment Nr. 174, und später in der fünften Division der 11. Armee diente. Am 30. Juni 1941 geriet ich bei einem verzweifelten Kampf zusammen mit den letzten Resten unseres Regiments bei der Stadt Kowno in Gefangenschaft. Die Deutschen schickten mich mit mehreren anderen Kriegsgefangenen in ein Konzentrationslager bei Stuttgart [? eher Stalag IIB Stettin], und im November 1941 wurde ich nach Norwegen, in das Konzentrationslager der Stadt Bude [Bodoe] und etwas später von dort ins Lager der Stadt Ilwinez [Elvenes bei Kirkenes Stalag 322] geschickt. In all diesen Lagern wurden wir zu äußerst schwerer Arbeit gezwungen. Ich arbeitete mit 16 Personen in einer Kohlengrube, und wir mussten den Schiffen täglich mehrere Tonnen Kohlen liefern. Unsere Nahrung bestand in der Regel aus den Essensresten der deutschen Soldaten. Es waren vor allem Kartoffelschalen und Köpfe von geräucherten Fischen. Nach einiger Zeit wurde ich mit sechs Kriegsgefangenen auf die Insel Wadse-Ostre [?] geschickt, wo wir bei und für etwa einhundert deutsche Soldaten zu dienen hatten. Wir mussten ihre Kleidung waschen, bügeln, Ihre Schuhe putzen usw. Wir litten stets Hunger und ernährten uns davon, was uns essbar erschien. Wir waren dabei unerhörten Grausamkeiten, Schlägen, Beleidigungen und Demütigungen ausgesetzt. Infolge des beständigen Entsetzens, worin wir uns befanden, begann ich seitdem zu stottern.Nachdem wir über ein Jahr dort geblieben waren, schickte man uns erneut in das Lager von Ilwinez [Elvenes], wo wir wieder in den Kohlengruben arbeiteten. Auch hier litten wir, wie früher, beständig an Hunger und Durst, während wir täglich vom frühen Morgen bis zur Mitternacht arbeiten mussten. Dort erhielt ich bald einen Beinbruch, wonach man mich in ein Hospital in der Stadt Salwiar [?] schickte. Ich blieb dort etwa 5 Monate, und als es meinem Bein wieder einigermaßen gut ging, ließ der Chef des Hospitals mich dort als Sanitäter arbeiten. Das dauerte bis Kriegsende, und nachdem wir befreit wurden, konnte ich wieder nach Armenien zurückkommen.

Mit herzlichsten Grüssen und den besten Wünschen aus Armenien

Artawasd Harutjunjan.

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[*] Armenischer Verein der rehabilitierten Gefangenen des II. Weltkrieges.

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