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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

247. Freitagsbrief (vom Februar 2008, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Aleksandr Pawlowitsch Chomenko
Ukraine
Krjukowschtschina
Gebiet Kiew.

[…] Ihren Brief vom 14.1.2008 habe ich bekommen und immer wieder mit großem Vergnügen gelesen. Ich danke Ihnen sehr. […] Nun zum Strafkommando Nr. 190/VIIA.

Das Kommando befand sich in Niestadt [Neustadt] (östlich von Ingolstadt) und bestand aus 20–30 Personen, das Gebäude war unter einer Felswand und umgeben von einem Drahtzaun. Das Arbeitskommando arbeitete im Steinbruch, immer zwei Männer an einer Lore. Die Arbeitsnorm war 18 Loren pro Tag. Soviel Granit musste man an einem Arbeitstag mit dem Brechhammer brechen. Wenn man die Arbeitsnorm nicht erfüllte, wurde man betraft, und zwar ziemlich böse. Einige Gefangene fügten sich selbst Verletzungen zu (z.B. legten sie die Füße oder Finger unter die herabfahrenden Loren), das wurde besonders bestraft. Ich war gesundheitlich sehr geschwächt, deshalb musste ich mir mit dem Bruchhammer den Ringfinger der linken Hand zerschmettern. Ich wurde bestraft, aber einer anderen Arbeit zugeteilt, wo ich die Loren bei der Zerkleinerungsanlage in Empfang nehmen musste. Das war für mich eine große Erleichterung. Zur gleichen Zeit bereitete ich mich innerlich auf die Flucht vor und suchte mir zwei Kameraden, mit denen ich fliehen wollte. Wir bereiteten alles gut vor und es gelang uns, über ein Nebengebäude aus dem Lager zu entkommen. Wir wollten auf einen Felsen klettern, unter dem das Gebäude war. Beim Klettern fielen auf einen von uns kleine Steine herab, was einigen Lärm machte, so dass die Wachen auf uns aufmerksam wurden. Einer der Wachen eröffnete das Feuer auf uns; wir sprangen hinunter, einem der Kameraden gelang es, in das Toilettengebäude zu kriechen, der andere schaffte es, über die Frontseite des Zaunes hinter das Gebäude zu gelangen. Mich dagegen erwischten sie, einer der Wachen schoss sofort, die Kugel traf mich an der Schulter, ich fiel hinunter, verlor aber nicht das Bewusstsein. Ich konnte genau hören, was die Wachen sagten; einer von ihnen, der mit einer Taschenlampe die Gegend ableuchtete, sagte, man müsse mich erschießen, aber der Posten, der geschossen hatte, sagte: „Er ist tot.“

Einige Minuten später kamen zwei Männer vom Kommando und zogen mich durch die Eingangstür ins Gebäude, wo sie mich auf den Boden warfen. Ich überlebte, obwohl ich viel Blut verloren hatte. Anscheinend hatten sie sich geweigert, mich zu erschießen. Etwa um zwei Uhr nachts war ich angeschossen worden, und um neun Uhr morgens wurde ich mit einem Krankenwagen aus dem örtlichen Krankenhaus ins Krankenhaus in Eichstätt gebracht. Ich bin dem Arzt und dem Krankenpersonal (sie waren dort 3–4 Leute) zu Dank verpflichtet, dass sie mir geholfen haben. Die ersten zwei Tage war mein Zustand kritisch, ich war bewusstlos (ich bekam kein Blut zugeführt, hatte aber ja sehr viel verloren). Mit anderen Worten, ich bin nur durch ein Wunder am Leben geblieben. Nach zwei Wochen war ich schon wieder auf den Beinen und wurde zur weiteren Behandlung in die Sanitätsabteilung des Stalag VII A in Moosburg gebracht. Als ich wieder gesund war, kam ich zurück ins Kommando Nr. [1]90 (um meine restliche Strafe von drei Monaten abzuarbeiten). Ich bekam die frühere, etwas leichtere Arbeit zugeteilt. Ich leistete die Frist ab und kehrte danach ins Stalag VII A zurück.

Soweit meine Antwort auf Ihre Frage.

Ich habe eine Bitte an Sie (falls Sie sie erfüllen können): In letzter Zeit merke ich, dass mein Gehör nachlässt. Ich möchte Sie bitten, mir bei der Anschaffung eines Hörgerätes zu helfen, möglichst ein deutsches Fabrikat. Ich habe noch einen weiteren wichtigen Wunsch, aber davon schreibe ich Ihnen im nächsten Brief, wenn ich von Ihnen eine Antwort auf diesen Brief bekommen habe.

Ich wünsche allen Mitgliedern Ihres Vereins Gesundheit, Glück und Erfolg.

Mit den besten Grüßen,

A. P. Chomenko.

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Unsere ukrainische Partnerorganisation erhielt von uns für die Besorgung eines Hörgeräts die nötigen Spendenmittel. E. Radczuweit.

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