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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

231. Freitagsbrief (vom Dezember 2010, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Iwan Petrowitsch Letow
Russland
Bagan
Gebiet Nowosibirsk.

(…) Ich grüße Sie und wünsche Ihnen beste Gesundheit. Ich möchte Ihnen mitteilen, dass ich das von Ihnen überwiesene Geld erhalten habe und danke Ihnen dafür.

Sie haben mich gebeten, Begebenheiten aus der Zeit in der Gefangenschaft zu beschreiben. Wir Gefangenen wurden nach Deutschland gebracht, drei Tage lang bekamen wir weder Brot noch Wasser. Als wir in Deutschland ankamen, mussten wir aussteigen, uns zu einer Kolonne formieren und dann trieben sie uns an unseren Bestimmungsort, das KZ Lamsdorf [Stalag VIII F (318) Oberschlesien]. Das Lager war von Stacheldraht umzäunt und es gab dort keine Gebäude. Das war Ende September [1941].

In meinem Lagerblock Nr. 3 gab es eine Untergrundorganisation. Die Gefangenen aus unserem Block kamen zum Arbeitseinsatz, und bei der Arbeit hatten sie geheime Treffen mit Antifaschisten und Polen, von ihnen bekamen wir Informationen über den Krieg. Wenn wir zurück ins Lager kamen, dann schrieben wir Flugblätter, die wir über den Zaun in den nächsten Lagerblock warfen. Auf diese Weise wussten alle Gefangenen über die Lage Bescheid. In Block 13 wurden sowjetische Offiziere gefangen gehalten. Wir hatten den Auftrag, eine Drahtzange oder -schere zu beschaffen, was uns auch gelang, und wir übergaben sie den Offizieren. In einem günstigen Augenblick schnitten sie ein Loch in den Stacheldrahtzaun und flohen aus dem Lager. Das war Anfang Februar 1945.

Wir schafften es zu den sowjetischen Truppen, bekamen Maschinenpistolen und zogen los, um mit unseren Truppen zu kämpfen und den Krieg zu beenden. Kurz vor Berlin wurde ich von einer Minenexplosion erwischt, kam ins Lazarett, aber ich kam wieder auf die Beine und kämpfte weiter in Budapest und Wien. Im November 1945 wurde ich aus dem Armeedienst entlassen und kehrte nach Hause zurück.

Bitte entschuldigen Sie, dass ich schlecht schreibe. Ich bin 92 Jahre alt und krank. Ich danke allen, die an der Spendenaktion für uns teilgenommen haben.

Mit den besten Wünschen,

I. P. Letow.

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Herr Letow kam in das „Russenlager“ bei Lamsdorf, als noch keine Baracken existierten und die Gefangenen in selbst gegrabenen Erdlöchern zu überleben versuchten. Von 180 000 gefangenen Sowjetsoldaten starben dort rund 40 000.

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