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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

229. Freitagsbrief (vom Oktober 2010, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Satti Machkamow
Russland
Borodino
Region Krasnodar.

(…) Wir haben Ihren Brief bekommen, einen Brief von Ihrem Verein. Die Antwort schreibt Ihnen meine jüngste Tochter, da Sie meine Handschrift nicht würden entziffern können. Ich werde dieses Jahr am 23. Dezember 85 Jahre alt. Natürlich geht es mir gesundheitlich schon nicht mehr gut, aber ich kann mich an alles in meinem Leben erinnern.

Dafür, dass ich in der Gefangenschaft war, wurde ich verurteilt und kam nach Sibirien. Solche wie mich gab es sehr viele. Wir fuhren achtzehn Tage. Im August kamen wir am Ziel an, aber dort gab es nichts. Wir schliefen auf der Erde, deckten uns mit unseren Mänteln zu. Als der Regen kam, versuchten wir uns Erdhöhlen zu bauen, das Baumaterial stellten wir gleich dort im Wald her. In der Erdhöhle stand in der Mitte ein Tisch aus Brettern und um ihn herum waren zweistöckige Pritschen, auf denen wir schliefen. So arbeiteten wir, fällten Holz und stellten Pfähle und Balken her. Später bauten wir uns festere Unterkünfte, Baracken. Mit der Zeit gründeten die Leute Familien. Ich machte eine Ausbildung als Brigadier am Bau. Wir mussten alles Mögliche bauen: Häuser, eine Schule, Kindergärten, eine Ziegelfabrik an der nächsten Bahnstation Saosjornaja. Als ich schon eine Familie hatte, studierte ich am Technikum für Bergbau in Tschernogorsk und wurde Baumeister. Einen großen Teil meines Arbeitslebens habe ich für die UshKCh (Verwaltung kommunaler Wohnwirtschaft) gearbeitet, als Ingenieur. Ich habe eine Menge Urkunden, von den örtlichen Behörden bis zu den Regierungsbehörden.

Lange wurde ich nicht als Kriegsteilnehmer anerkannt. Das war natürlich bitter. Ich habe sogar eine Verwundung am Bein, habe mich aber nie deswegen an ein Amt gewandt. 1991 brachten sie mir dann plötzlich ein Papier, auf dem stand, dass ich Repressionen ausgesetzt war. Danach bekam ich einen Ausweis als Kriegsteilnehmer und eine Rente.

Ich lebe in einem Haus, dass ich selbst im Jahr 1955 gebaut habe. (…) Ich lebe allein, meine Tochter sorgt für mich, und meine beiden Söhne und meine Enkel besuchen mich oft.

Ich schicke Ihnen ein Foto mit. Das sind meine Kinder, Enkel und Urenkel, aber auf dem Foto sind nicht alle, zusammen sind wir mehr als zwanzig Personen. Ich könnte noch viel schreiben, aber ich habe Angst, dass der Brief dann zu dick für den Umschlag wird.

Ich danke Ihnen, dass Sie mich nicht vergessen haben.

Mit freundlichen Grüßen,

Satti Machkamow.

[Beigefügt: Familienfoto].

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