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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

223. Freitagsbrief (vom 27. Oktober 2010, aus dem Russischen von Valerie Engler).

Petr Iwanowitsch Pupyschew
Sebesh
Gebiet Pskow
Russland.

Ich, Petr Iwanowitsch Pupyschew, habe zu meiner großen Überraschung von den Mitgliedern Ihres Vereins einen Brief bekommen, über den ich mich gewundert und gefreut habe. Danke für Ihr Interesse. Nachdem ich Ihren Brief gelesen hatte, war ich zufrieden und zugleich verwundert.

Ich wurde 1919 geboren, ich diente in der Armee und nahm deshalb 1941 bereits ab den ersten Kriegstagen an den Kampfhandlungen teil. In der Nähe von Witebsk in der Republik Belarus wurden wir von deutschen Truppen eingekesselt und so geriet ich in Gefangenschaft. Nach ein paar Tagen wurden wir mit Güterzügen nach Thorn in Polen [Stalag XXA] gebracht. Dort begann unser Leidensweg. Eine Kelle Brühe und 120g Brot, das war unsere Tagesration. In diesem Lager waren etwa 4000 Personen, das waren zwei Transporte mit Kriegsgefangenen. Im Frühjahr 1942 waren noch knapp über 500 Gefangene am Leben. Damit sich keine Krankheiten verbreiteten, vor allem Typhus, wurde auf dem Gelände des Lagers ein Waschhaus eingerichtet und die Wäsche wurde während des Waschens desinfiziert. Zweimal am Tag wurden wir kontrolliert, alle mussten auf den Platz kommen und wir wurden abgezählt; wenn die Zahl nicht stimmte, wurde die Prozedur wiederholt. Wenn jemand zu der Zeit gerade beim Waschen im Waschhaus war, wurde er auch zum Abzählen geholt, da aber die Kleidung beim Desinfizieren war, mussten sie nackt auf den Platz kommen, danach lebten sie noch ein bis zwei Tage, dann kamen sie zum sogenannten Kaputt-Kommando, das die Leichen zum Friedhof brachte. So ging es jeden Tag.

Es gab noch einen Vorfall, das war schon in einem anderen Lager, ich glaube, in Insterburg [Stalag 336]. Die Lagerleitung hatte beschlossen, dass wir uns im Waschhaus waschen sollten. Dort standen zwei Baracken nebeneinander. Wir wurden alle in eine der Baracken gebracht. Dann wurden wir in Gruppen von zehn Personen zum Waschen und Desinfizieren geführt, und danach kamen die fertigen Gefangenen in die andere Baracke. Als es schon ziemlich spät war, waren noch acht bis zehn Gefangene übrig, darunter auch ich, die noch nicht beim Waschen gewesen waren. Es war sehr kalt in der Baracke. Da es schon zu spät war, ließen sie uns nicht mehr zum Waschen. Wir beschlossen, zu den „gewaschenen“ Gefangenen in die andere Baracke hinüberzugehen, denn dort war es warm. Am nächsten Morgen beim Appell bekamen wir, weil wir nicht beim Waschen gewesen waren, zur Strafe 25 Peitschenhiebe. Es stellte sich heraus, dass sie allen Gefangenen nach dem Waschen mit Farbe eine Markierung auf dem Rücken gemacht hatten, und da wir keine Markierung hatten, mussten wir entsprechend bestraft werden.

Im Februar 1945 wurde ich befreit und diente bis zum Kriegsende in der Armee.

Nach der Armee habe ich vor allem im Bergwerk gearbeitet und mir meine Rente erarbeitet.

2007 ist mein Haus abgebrannt und wir mussten vorübergehend bei unserer Tochter wohnen. Dann bekamen wir eine Einzimmerwohnung, in der wir jetzt wohnen. Wir sind mit unserer Wohnung zufrieden. Das wäre fürs Erste alles.

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