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KONTAKTE-KOHTAKTbI

Verein für Kontakte zu Ländern der ehemaligen Sowjetunion.

210. Freitagsbrief (vom Januar 2007, Übersetzer unbekannt).

Ukraine
Gebiet Sumy
Iwan Pantelejmonowitsch Chabenko.

(…) Ich, Iwan Pantelejmonowitsch Chabenko, bin am 27. September 1922 im Dorf Mutin, Bezirk Kroleweckij, Gebiet Sumy in der Ukraine geboren. Hier wohne ich bis heute.

Als im Jahre 1941 der Große Vaterländische Krieg begann, wurde ich in die Armee einberufen. Vom Ende Juni 1941 bis etwa August oder September 1942 diente ich als einfacher Soldat an der vorderen Frontlinie. Ich kämpfte gegen die deutschen Truppen und verteidigte meine Heimat.

(…) Ich könnte über diese Ereignisse [Kriegsgefangenschaft] wesentlich mehr erzählen. In einem Brief ist aber alles nicht zu beschreiben. Uns schickte man nach Woltschansk und in drei Tagen nach Rowno [Stalag 360] in der Westukraine. Dort befand sich ein KZ für Kriegsgefangene. Nach einem Monat schleppte man uns nach Deutschland, in die Stadt Lamsdorf [Stalag VIIB (318)]. Ende Herbst 1942 wurde ich in die Stadt Beuthen in Polen abtransportiert. Dort gab es ein Bergwerk. Das Essen im KZ war sehr schlecht. Zweimal täglich gab es 1 Liter Suppe aus Rüben und 400 Gramm Brot mit Spänen. Als erste Gruppe kamen 300 Kriegsgefangene ins Bergwerk. Ich gehörte zur zweiten Gruppe. Nach Demütigungen, Folter, Hunger und Sklavenarbeit sind von der ersten Gruppe nur 50 Gefangene am Leben geblieben. Wir arbeiteten im Bergwerk von Ende Herbst 1942 bis 1944. Die Schächte waren 774 und 885 Meter tief. Ich habe nur mit Hilfe eines alten Polen überlebt, der mir gelegentlich etwas Essen gab.

1945 begannen die Sowjettruppen eine Offensive in Polen. Ich kann nicht genau sagen, in welchem Monat es passierte. Es gab noch Schnee. Wir, Halbtote, Hungrige, kaum Bekleidete, wurden in Holzpantoffeln von Wächtern mit Hunden nach Westen getrieben. Vier Tage lang haben wir kein Essen erhalten. Diejenigen, die nicht laufen konnten, wurden auf der Stelle erschossen. Wir erreichten die Tschechoslowakei und schließlich Deutschland, die Stadt Roding. Hier haben uns amerikanische Truppen befreit. Von 300 Kriegsgefangenen sind 100 am Leben geblieben.

1945 übergab uns das US-Kommando an unsere Truppen in Tschechien. Nach einer ausführlichen Prüfung wurde ich in die Sowjetarmee erneut einberufen. Am 10. Mai 1945, also nach dem Sieg, habe ich den Fahneneid abgelegt. Von Tschechien ging ich, einfacher Soldat, zu Fuß über Ungarn nach Österreich und danach über Wien in die Stadt Gloggnitz. Hier diente ich im 204. Schützenregiment der 69. Schützengardedivision. Von Österreich wurden wir nach Westbelarus verlegt. Dort entließ man mich im Dezember 1946 aus der Armee. Ich fuhr mit dem Zug nach Hause. Es gab acht Wagen. Die Bandera-Anhänger machten einen Anschlag. Sehr viele Menschen kamen uns Leben. Das waren Menschen, die Unfreiheit, Sklavenarbeit, Hunger, Erniedrigungen, Prügel und Kälte überstanden hatten. Gott sei Dank überlebte ich.

(…) Ich habe mein 83. Lebensjahr vollendet. Ich kann fast nichts sehen. Ich will mich aber mit Ihnen unterhalten. Dabei werden mir meine Kinder Anna Iwanowna und Ekaterina Iwanowna helfen.

Mit Hochachtung und besten Wünschen

Iwan Pantelejmonowitsch Chabenko, einfacher Soldat, Kriegsgefangener

Mein besonderer Gruß geht an ehemalige deutsche Soldaten, an jeden persönlich, an ihre Familien. Beste Gesundheit und Glück!

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